Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journalist"

17.02.2006 16:26 (zuletzt bearbeitet: 17.02.2006 16:31)
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#1 Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journalist"
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Raul Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journalist"

Der prominente kubanische Dissident und Schriftsteller Raul Rivero spricht im Interview mit DW-WORLD über die Repression und den gewaltfreien Widerstand in seinem Land sowie über die Zeit nach Fidel Castro.

DW-WORLD: Vor kurzem hat eine Menschenrechtsgruppe in Kuba vor einer Verschlechterung der Menschenrechtslage gewarnt. Teilen Sie diese Ansicht?

Raul Rivero: Ich stehe in Kontakt mit mehreren Journalisten auf der Insel und verschiedenen Menschenrechtlern sowie mit den Familienangehörigen von den politischen Gefangenen, die mit mir im März 2003 ins Gefängnis gesteckt worden waren. Und unser Eindruck ist, dass die Repression intensiver wird, vor allem in den Provinzen im Innern des Landes. Dort sind die internationalen Medien oder die ausländischen Botschaften nicht präsent und dort gibt es auch kaum Tourismus.

Warum ist die Situation wieder schlimmer geworden?

Wir müssen von einem Rückschritt sprechen. Von den 75 Personen, die im März 2003 verhaftet worden waren, wurden lediglich 15 aus dem Gefängnis entlassen. Die kubanische Regierung war sehr verärgert über die Abstimmung vor der Menschenrechtskommission der UNO im April 2005. Damals hatte sich die EU als Block gegen Kuba ausgesprochen. Die Reaktion der kubanischen Regierung darauf war sehr brutal. Außerdem: Seit die Regierung vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez finanziell unterstützt wird, fühlt sie sich schlicht an keine internationale Verpflichtung mehr gebunden und geht nun besonders grausam mit der Opposition um.

Die EU setzte bislang auf Dialog. Doch einige Abgeordnete haben jüngst gesagt, man sollte härter mit Kuba umgehen. Was halten Sie von der Haltung der EU?

Man muss die Politik gegenüber Kuba umgestalten und darf keine Konzessionen mehr machen. Allerdings bin ich dagegen, die Türen zuzuschlagen, den Dialog einzustellen. Die EU hat sich immer für die Kubaner eingesetzt, nicht für die kubanische Regierung. Sie hat sich immer um die Opposition gekümmert und um den großen Teil der Bevölkerung, der unter der Diktatur leidet. Die Türen sollte man auch deshalb nicht schließen, da die europäischen Botschaften wichtige Verbindungskanäle für die Dissidenten innerhalb und außerhalb Kubas darstellen.

Aber Sie sind schon dafür, härter mit Kuba umzugehen. Welche Maßnahmen empfehlen Sie?

Man sollte eine härtere Haltung gegenüber Kuba einnehmen. Man ist der kubanischen Regierung stark entgegengekommen. Es gab Versuche des Dialogs, aber die kubanische Regierung verschließt sich weiterhin. Was man tun könnte, ist, auf internationalen Treffen die kubanische Politik permanent zu verurteilen. Und vor allem sollte man auch in den internationalen Medien mehr über die Situation in Kuba berichten. Die Regierung darf keinen Erfolg mit ihren Betrügereinen und Täuschungen über die Realität in Kuba haben.

Im März 2003 gab es eine Welle der Repression. Sie und 74 andere Regimegegner wurden festgenommen. Könnte sich so etwas wiederholen?

So eine spektakuläre Welle wird es wohl nicht mehr geben. Die Aktion hatte gewaltige negative internationale Folgen für die Regierung. Aber im Moment findet eine Art stiller Krieg statt, die Repression ist nicht so intensiv wie damals, aber permanent. Auch wenn 15 Dissidenten frei gelassen wurden, gingen die Verhaftungen weiter. Unabhängige Journalisten wie Ivan Garcia und sein Frau wurden mit Haft bedroht.

Wie ist die aktuelle Situation der politischen Häftlinge?

Die Bedingungen der Häftlinge haben sich verschlechtert, was zum Beispiel die Versorgung mit Nahrung und die medizinische Betreuung angeht. Und es hat auch viele gewaltsame Übergriffe gegen die Häftlinge in den Gefängnissen gegeben. Von den 15 Dissidenten, die in Haft blieben, befinden sich viele in einem besorgniserregenden Zustand, sie sind gesundheitlich angeschlagen. Die Journalisten Oscar Espinosa Chepe oder Jorge Olivera verbrachten Monate in den Krankenstationen der Gefängnisse. Sie wurden im November 2004 freigelassen, sie haben Visa für die USA und könnten auch für Spanien Visa bekommen, aber die Regierung lässt sie nicht ausreisen.

Reporter ohne Grenzen hat jüngst auf den Fall Guillermo Farinas aufmerksam gemacht. Der Chef der unabhängigen Nachrichtenagentur „Cubanacán Press“ war in den Hungerstreik getreten, da ihm und seinen Mitarbeitern der freie Zugang zum Internet verweigert worden war. Was können Sie mir über ihn sagen?

Er will offenbar weiter im Hungerstreik bleiben. Haben Sie sein Foto gesehen? - Er sieht aus, als ob er aus einem Konzentrationslager kommt. Es ist sein 20. Hungerstreik. Ich habe mit ihm vergangene Woche gesprochen und ich bat ihn, den Streik aufzugeben. Auch wenn seine Forderung, freien Zugang zu Informationen zu erhalten, gerechtfertigt ist. Aber so ein vergleichsweise junger Mann von 43 sollte doch sein Leben nicht aufs Spiel setzen. Nach meinen Informationen geht es ihm sehr schlecht, er verlor zwischendurch das Bewusstsein.

Am 13. August wird Fidel Castro 80 Jahre alt. Viele fragen sich: Wie ist es möglich, dass sich dieser Mann so lange an der Macht gehalten hat?

Das ist eine interessante Frage. Er ist durchaus ein geschickter Politiker. Sobald er an der Macht war, hat er alle legalen Mechanismen des Rechtsstaates und der Zivilgesellschaft außer Kraft gesetzt. Er kontrolliert alle Machtstrukturen. Er hat nicht nur Macht, er hat die absolute Macht. Es ist ein Regime, das anfangs mit großer Unterstützung gestartet ist, 90 Prozent der Kubaner standen zunächst hinter ihm. Dann stützte er sich mehr und mehr auf die politische Polizei. Über das Radio, das Fernsehen, die Presse wurde permanent die Angst geschürt. Auch durch Aktionen: Als sie uns festgenommen und verurteilt hatten, ließ Castro in 48 Stunden drei junge Männer erschießen, die versucht hatten, Kuba zu verlassen. Die kubanische Gesellschaft wird also durch zwei Schlüsselelemente kontrolliert: die Polizei und die Propaganda.

In Europa gibt es unter einigen Linken nach wie vor eine gewisse Sympathie für Castro. Wie finden Sie das?

Ich respektiere die Personen, die mit Castro sympathisieren und ihn bewundern. Ich habe so viele Jahre unter Intoleranz gelitten, dass ich selbst ziemlich tolerant geworden bin. Aber wen sie nicht respektieren, ist das kubanische Volk, das unter dieser Diktatur leben muss. Für diese Linken ist Kuba ein Traum, den sie nicht aufgeben wollen. Es ist ein Traum, den sie einmal im Jahr leben können, wenn sie die Insel besuchen. Doch deren Traum ist unser Albtraum. Sie kommen hierher für einen Monat, die Regierung fährt sie in klimatisierten Autos herum. Das ist wie im Theater. Sie nehmen dann ein paar Briefmarken von Che Guevara mit und kehren in ihre bequemen Häuser zurück, die zu bauen ihnen die Zivilisation und der "Kapitalismus" ermöglicht haben. Doch die Kubaner bleiben in ihrer Armut zurück. Viele dieser Linken hassen die USA und treiben sich ihren Hass aus, indem sie Kuba unterstützen. Sie hassen die USA, dabei wohnen sie selbst dort und steigen dort in ihr amerikanisches Auto, essen bei McDonalds oder rauchen Winston-Zigaretten. Es ist sehr bequem, einen Traum in der Karibik zu haben, den man einmal im Jahr besuchen kann.

Castro scheint derzeit wieder erstarkt zu sein, seitdem er mit Chávez einen finanzstarken Unterstützer gefunden hat.

Castro ist sicher stärker als vor drei Jahren, bevor Chávez an die Macht kam. Chávez ist das Substitut für die Sowjetunion. Der kubanische Vizepräsident Carlos Lage sagte es selbst kürzlich, Kuba habe zwei Präsidenten, nämlich Castro und Chávez. Früher war es die Sowjetunion, jetzt ist es Chávez, der Kuba Geschenke macht.

Wird Chávez der neue Castro?

Ich respektiere die Entscheidung des venezolanischen Volkes, das Chávez gewählt hat. Aber ich habe mehr als 40 Jahre Erfahrung mit einer Diktatur und für mich ist Chávez auf einem populistischen Weg der Täuschung. Er hat selber gesagt, dass er bis ins Jahr 2021 an der Macht bleiben will. Ich glaube, er hat einen Prozess begonnen, der eine Kopie der Entwicklung in meinem Land ist, das seit fast einem halben Jahrhundert eine Diktatur ist.

Wird Kuba nach Castros Tod eine Demokratie?

Diese Art von Diktatur, die an eine Person gebunden ist, stirbt mit ihrem Anführer. Sie wird vielleicht noch einige Monate überdauern. Aber der Wechsel zur Demokratie in Kuba ist keine Laune weder der Opposition noch der Kubaner innerhalb oder außerhalb des Landes. Er ist eine Notwendigkeit. Die kubanische Gesellschaft steckt in einer Sackgasse fest. Dieses Land bewegt sich nicht, sondern lebt wie in einem Theaterstück. 15 Prozent der Kubaner leben im Exil. Die meisten jungen Leute wollen Kuba verlassen und in die USA gehen.

Werden Sie sich freuen an dem Tag, an dem Castro stirbt?

Für mich würde es bedeuten, dass ich wohl wieder in meine Heimat zurückkehren kann und dort wieder das tun kann, was ich immer tun wollte: Ich will einfach nur in einer Zeitung arbeiten, wo man seine Meinung schreiben kann. Ich kann vorher nicht zurückkehren. Das Castro-Regime hat mich zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Davon habe ich nur zwei Jahre abgesessen, es sind also noch 18 Jahre übrig. Ich bin 60 Jahre alt. Ich werde nicht das Risiko eingehen, dass sie mich wieder ins Gefängnis stecken. Das wäre mein Tod. Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journalist.

Der Schriftsteller Raul Rivero (geboren 1945) ist einer der bekanntesten Dissidenten Kubas. Rivero war zunächst Anhänger der Revolution Fidel Castros. Doch mit der Zeit distanzierte er sich mehr und mehr von dem Regime. 1995 gründete Rivero die Agentur "Cuba Press", um unabhängig über Kuba zu berichten. Außerdem arbeitete er für Reporter ohne Grenzen. Im März 2003 war er bei einer der größten Repressionswellen mit 74 anderen Regimekritikern festgenommen worden und kurz darauf zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Im November 2004 wurden Rivero und 14 weitere Häftlinge nach Vermittlung der EU vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Seit März 2005 lebt Rivero im Exil in Madrid.

Das Gespräch führte Steffen Leidel

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,190...e-top-1016-rdf


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17.02.2006 16:34
#2 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journalist"
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In Antwort auf:
Ich respektiere die Personen, die mit Castro sympathisieren und ihn bewundern. Ich habe so viele Jahre unter Intoleranz gelitten, dass ich selbst ziemlich tolerant geworden bin. Aber wen sie nicht respektieren, ist das kubanische Volk, das unter dieser Diktatur leben muss. Für diese Linken ist Kuba ein Traum, den sie nicht aufgeben wollen. Es ist ein Traum, den sie einmal im Jahr leben können, wenn sie die Insel besuchen. Doch deren Traum ist unser Albtraum. Sie kommen hierher für einen Monat, die Regierung fährt sie in klimatisierten Autos herum. Das ist wie im Theater. Sie nehmen dann ein paar Briefmarken von Che Guevara mit und kehren in ihre bequemen Häuser zurück, die zu bauen ihnen die Zivilisation und der "Kapitalismus" ermöglicht haben. Doch die Kubaner bleiben in ihrer Armut zurück. Viele dieser Linken hassen die USA und treiben sich ihren Hass aus, indem sie Kuba unterstützen. Sie hassen die USA, dabei wohnen sie selbst dort und steigen dort in ihr amerikanisches Auto, essen bei McDonalds oder rauchen Winston-Zigaretten. Es ist sehr bequem, einen Traum in der Karibik zu haben, den man einmal im Jahr besuchen kann

Könnte von mir sein. Das sind genau meine Worte!


Saludos

El Cubanito Suizo


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17.02.2006 22:50
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#3 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journalist"
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Rey/Reina del Foro

Zitat von El Cubanito Suizo
Könnte von mir sein. Das sind genau meine Worte!

Kann ich auch unterschreiben, denn die Doppelmoral und Blindheit der linken Soli-Freaks auf Durchreise kann ich ganz gelassen kritisieren.
Jahrelang dort unter einfachsten Bedingungen gelebt zu haben, gibt mir jedoch gleichzeitig das Recht, einige Dinge am System zu verteidigen und nicht wie du alles in Bausch und Bogen zu verdammen!


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18.02.2006 00:11
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#4 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journalist"
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... Gott sei Dank haben wir Allende fast die Ei... im Palacio de la Moneda weggeschossen und das rote Pack zum Teufel gejagt, sonst wuerde Chile heute auch noch vom Koka-Anbau und canasta basica leben und muesste Freaks, wie Chavez und Pulli-Evo, ertragen.


Mas feliz que un mapuche en su ruka !


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18.02.2006 00:20
#5 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journali
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Rey/Reina del Foro

Zitat von carapapa
... Gott sei Dank haben wir Allende fast die Ei... im Palacio de la Moneda weggeschossen und das rote Pack zum Teufel gejagt, sonst wuerde Chile heute auch noch vom Koka-Anbau und canasta basica leben und muesste Freaks, wie Chavez und Pulli-Evo, ertragen.

Und was nach dem frei und demokratisch gewählten Allende kam fandest du besser??? Lieber Pulli-Evo und Öl-Chavez al Pinochet!!!!
___________________________________
La distancia no es la causa para que nazca el olvido.


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18.02.2006 00:44
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#6 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journali
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... "demokratisch" gewaehlt vielleicht, aber dann muss ma net gleich nach Castro rufen, der kommt au noch und besetzt Santiagos Palaeste und will den real existierenden Sozialismus aufbauen. Hitler war au demokratisch gewaehlt. Erst Demokratie und dann Diktatur des Proletariats ? Como se come eso ? Con Cola ?
Ne ne, Demokratie is schoen und gut, man muss aber auch die Gesetze bis zum Schluss befolgen und sie net dann abschaffen wollen, in dem ma irgendwelches Pack ins Land reinholt, damit man irgendein Konstrukt einfuehren kann, wenn ma an der Macht is.

Mas feliz que un mapuche en su ruka !


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18.02.2006 01:08
#7 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journali
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Rey/Reina del Foro

Tut mir leid, ich komme da gedanklich nicht mit. Ich finde Pinochet um keinen Deut besser, als Castro. Nur die Wirtschaft hat er ein wenig besser im Griff gehabt, oder besser gesagt, wesentlich weniger gegängelt, aber sonst ... so rein freiheitlich demokratisch war der Chilene kein bissl besser. Meiner persönlichen Meinung nach ganz im Gegenteil. Außerdem sollte man nicht sozialistische Illusionen von 1972 mit dem Wissen von 2006 vergleichen.
___________________________________
La distancia no es la causa para que nazca el olvido.


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18.02.2006 02:16
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#8 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journali
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( Gast )

... stimmt, geb ich Dir recht.
Bachellet ist in eine in Cuba ausgebildete Guerillera, war dann unter Lagos Verteidigungsministerin und is nu Presidente.
Typisches Joschka Fischer-Syndrom. Is nu au ruhiger geworden.

Mas feliz que un mapuche en su ruka !


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18.02.2006 16:07
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#9 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journali
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don olafio ( gelöscht )

Zitat von carapapa
... stimmt, geb ich Dir recht.
Bachellet ist in eine in Cuba ausgebildete Guerillera, war dann unter Lagos Verteidigungsministerin und is nu Presidente.
Typisches Joschka Fischer-Syndrom. Is nu au ruhiger geworden.
Mas feliz que un mapuche en su ruka !

Mei Gudster,

das Alter, die inflationsmäßig zunehmende Anzahl der Lebensjahre, bringt einem sicherlich manches Ungemach - aber es hat auch Vorteile: Man kann auf länger zurückliegendes, selbst erlebtes zurückgreifen. So auch hier.

Seit Ende der siebziger Jahre kannte ich fast die gesamte "chilenische Kolonie" in Ost-Berlin. Michelle Bachalet (mit einem "l" - als im Profil ausgewiesener Chilene sollte man den Namen seiner designierten Präsidentin schon korrekt wiedergeben können) wohnte damals wohl in Potsdam, studierte aber wie viele meiner chilenischen Freunde und Bekannten an der Humboldt-Uni in Berlin (ich glaube Medizin). Ich sah sie drei oder vier Mal - ohne dass sie mir damals groß in Erinnerung geblieben war (sie schien mir sehr introvertiert). Irritation verursachte bei vielen ihrer in Ost-Berlin lebenden Landsleute allerdings dann die Nachricht, dass sie nach ihrer Rückkehr nach Chile (es muss bereits 1979 gewesen sein) mit einem als Parteigänger Pinochets bekannten Arzt zusammen lebte. Vielleicht war das auch der Grund, warum sie trotz ihrer Familiengeschichte (ihr Vater, der Luftwaffengeneral Alberto Bachelet, hatte sich gegen die Pinochet-Putschisten gestellt und war danach verhaftet und zu Tode gefoltert worden) nicht nur unbehelligt in Santiago de Chile leben, sondern auch ihr Studium an der Universidad de Chile weiterführen konnte. Danach arbeitete sie dann wohl an einem vom schwedischen Roten Kreuz finanzierten Krankenhaus in Santiago.

Eine militärische Ausbildung hatte sie in der Tat erhalten: 1995 an der chilenischen Militärhochschule und daran anschließend 1996 am "Inter-American Defence College" in Washington.

Zum Abschluss: Ich finde es immer wieder bedauerlich, wenn hier Leute frei nach dem Motto: "Von nüscht ne Ahnung - aber zu allem ne Meinung" eben nicht nur ihre zum Teil heftig verquere Meinung postulieren(das soll - auch wenns nervt - ihr gutes Recht bleiben) - sondern dass hier zuweilen eine abartige Melange aus Nichtwissen, ideologischer Verbohrtheit, blindem Hass und Gerüchteschinderei ein Schwachsinn als Tatsache verbreitet wird(z.B.:"Bachellet ist in eine in Cuba ausgebildete Guerillera..."), die nicht einmal mehr schwer erträglich ist.


Don Olafio


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18.02.2006 16:24
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#10 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journali
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... mein liber Don Olafio,
ich weiss zwar nicht, woher Du deine Info' s hast, aber ich sitze hier gerade in einem ausgewiesenen Diplomatenhaushalt und meine suegra (mittlerweile scho 70) amuesierte sich gerade koestlich.
Politische Verbortheit und blinder Hass stimmt, weil die Leute halt nimmer fuer nen bissi Oel anstehen wollen, weil einer meint er muesste hier den "sozialistischen Himmel auf Erden" aufbauen.
Ferner sollte doch das Kochgeschirr im Schrank bleiben und nicht auf die Strasse als Protestmittel mitgenommen werden, weil es in diesem "sozialistischen Himmelreich" zwar intelektuelle Nahrung, aber nichts zum Beissen gibt.
Was die jetzige Praesidentin betrifft sieht ma halt auch mal wieder, wie sich Leute drehen und wenden koennen. Haette sie noch den politschen Hintergrund, wie damals in Potsdam, waere sie sicher hier nicht gewaehlt worden, denn mittlerweile hat sie auch Stimmen der Industrie hinter sich. Die wuerden sich keine Revolutionaerin waehlen.


Mas feliz que un mapuche en su ruka !


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18.02.2006 19:07
avatar  don olafio ( gelöscht )
#11 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journali
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don olafio ( gelöscht )

Zitat von carapapa
... mein liber Don Olafio,
ich weiss zwar nicht, woher Du deine Info' s hast

Mein Gott, die standen sogar im "El Mercurio" - aber wie ich dich einschätze, hälst du dir bloß die "El Siglo".

Don Olafio


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18.02.2006 23:21
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#12 RE: Dissident Rivero: "Ich bin kein Märtyrer, ich bin nur ein einfacher Journali
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( Gast )

Nopo, lese nur Condorito .


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