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Dieses Thema hat 7 Antworten
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 Literatur aus/über Kuba
Pille
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Dr. Faber - eine wahre Geschichte aus Baracoa, anno 1819 - 1823
24.12.2008 18:52
Für diejenigen aus der Baracoa-Fraktion dieses Forums, welche die Geschichte des Dr. Faber noch nicht kennen, gebe ich hier eine Zusammenfassung. Sie basiert auf dem Büchlein "La increíble historia del Dr. Faber". Autor: Oscar Montoto Mayor. 58 Seiten, Preis 4 Pesos MN, Auflage 600 Stück, erschienen November 2005 in Guantánamo. Angesichts der kleinen Auflage bezweifle ich, dass dieses Büchlein noch erhältlich ist.
Ein Forumsmitglied hat es mir freundlicherweise ausgeliehen, und ich möchte mich an dieser Stelle bei ihm dafür bedanken.

Dr. Enrique Faber, ein junger, 25-jähriger Arzt aus der Schweiz - von schmächtiger Statur, blond, blauäugig, französischer Muttersprache - kommt im Jahre 1819 von Guadelupe her kommend nach Kuba, um dort eine Praxis zu eröffnen. Nach einem Zwischenhalt in Santiago geht er zuerst nach Havanna, um seine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung zu beantragen; welch letztere seine Fähigkeiten als Arzt in gespreiztem Amstsspanisch bestätigt, für alle "... médicos, cirujanos, boticarios, flebotomianos, hernistas, algebristas, oculistas, destilatores, parteras, leprosos y de todo cuanto comprende la facultad médica...". Anschliessend reist er nach Baracoa, wo er der erste Arzt des Städtchens wird. Seine Praxis ist ein Erfolg: "no le faltaron clientes, curiosos, popularidad, dinero y ...muchas pretendientes"; welche von seiner gepflegten Erscheinung angetan sind.

Anlässlich eines Hausbesuches lernt er, weit im campo draussen, Juana de León kennen, 30-jährig, bettelarm, an Tuberkulose leidend. Nach einigen Monaten macht er ihr einen merkwürdigen Vorschlag: nämlich dass sie ihn heirate - mit dem Zwecke, ihr Leben zu verlängern, und auf dass sie ihm als Gefährtin zur Seite stehe; nach aussen als Ehemann und Ehefrau, aber in Wirklichkeit bloss als Freunde, da "mi temperamento, frío como el mármol, no necesita de las fuertes impresiones del amor carnal". Und ausserdem hüte er ein Geheimnis, welches er ihr noch nicht enthüllen könne. Eine Liebesheirat wäre es also nicht. Nach einigem Zögern willigt Juana de León ein. Die Hochzeit findet in der Kirche statt, die jedem Baracoa-Reisenden bekannt ist. Die Leute wundern sich, warum denn dieser Arzt, der problemlos unter den Schönen Baracoas hätte auswählen können, so eine arme Kranke heiratet.

Alles könnte in Ordnung sein, wenn nicht Juana, trotz den Erklärungen anlässlich des Heiratsantrages, allmählich ungeduldig würde, Ihren Ehemann zur Rede stellt, ihn auffordert, das besagte Geheimnis offenzulegen und ihr zu erklären, warum ein so junger Mann so wenig Interesse an seinen ehelichen Pflichten hat - und "que era tiempo de que le explicara inmediatamente el porqué usaba este instrumento tan raro que se ponía delante para consumar el acto sexual, parecido a la parte que supuestamente debía tener todo hombre".

Der Skandal bricht los, als sein Hausmädchen ihn eines Tages, rein per Zufall, in nacktem Zustand durch die halb offene Türe des Badezimmers erblickt, welcher ihr enthüllt, dass der Herr Faber gar kein Herr Faber, sondern eigentlich eine Frau Faber ist! Dr.Faber versucht, mit Geld das Schweigen des Hausmädchens zu erkaufen, aber das klappt nicht: es kann den Mund nicht halten, und innert kurzer Zeit ist in Baracoa der Teufel los, denn der Onkel Juanas klagt gegen den Arzt. Juana ist zwar dagegen: immerhin hat Dr.Faber sie von der Tuberkulose geheilt und war immer anständig zu ihr, aber ihre Einwände nützen nichts.

Dr. Faber flüchtet aus Baracoa, und geht nach El Caney bei Santiago, in der Annahme, das sei weit genug weg von Baracoa. Dem ist aber nicht so. Also zieht er/sie Frauenkleider an und reist nach Havanna, um dort dem Bischof seine Sünden zu beichten. Anlässlich dieser Beichte erfahren wir, dass Enriqueta (nicht mehr Enrique!) sehr jung an einen Offizier in der napoleonischen Armee verheiratet worden war, ihn auf Feldzügen nach Deutschland begleitete, ein Kind von ihm bekam und es gleich wieder verlor; ebenso den Ehemann, der in einer Schlacht umkam. Die beiden Alternativen für eine Frau in dieser Situation in der damaligen Zeit, entweder wieder zu heiraten, oder Prostituierte zu werden, gefielen ihr nicht. Männerkleider hingegen gaben ihr die Freiheiten des männlichen Geschlechtes, und so ging sie nach Paris, um als Mann Medizin zu studieren. Nach dem Studium nahm sie als Truppenarzt am Russlandfeldzug Napoleons teil und am katastrophalen Rückzug durch die russische Steppe (an welchen wir Schweizer übrigens durch das Beresina-Lied erinnert werden). Anschliessend wurde Dr. Faber noch nach Spanien geschickt, wo er/sie in Kriegsgefangenschaft geriet. Nach Wiedererlangung der Freiheit reiste Dr. Faber nach Guadelupe, um dort ein neues Leben anzufangen; das klappte aber nicht wie gewünscht, und so gings weiter nach Kuba.

Der Bischof empfiehlt ihr, sich der Justiz in Baracoa zu stellen, was sie denn auch tut - als Frau, und nach einer hochnotpeinlichen Untersuchung ihrer Geschlechtsteile durch eine ärztliche Fachkommission. Man verurteilt sie zu vier Jahren Haft, zu verbüssen in einem Spital in Havanna, wo sie ihre Kenntnisse anwenden könne, mit anschliessendem Landesverweis. Es ist keine angenehme Knastschwester: Unruhestifterin, ein Fluchtversuch und ein Selbstmordversuch. Sie wird aber im Jahre 1824 nach Intervention des Bischofs begnadigt und verlässt das Land Richtung New Orleans.

Der Autor verweist im Nachwort darauf hin, dass die Geschichte nicht ohne Widersprüche ist. War sie Französin oder Schweizerin? Hatte sie mit Juana Sex (mit vorgeschnalltem Dildo) oder nicht? Was ist ihr genaues Geburtsdatum - 1791 oder 1794? sowie noch einige weitere kontroverse Punkte. Der Autor glaubt aber aufgrund seiner Recherchen, dass Enriqueta Faber Schweizerin, geboren in Lausanne war. Vom Namen her wäre das durchaus möglich: "Favre" gibts in der französischsprechenden Schweiz zu Tausenden; alleine in Lausanne einige hundert. Mit der Orthographie (Faber, Fabre, Favre) ist das so eine Sache; wir wissen ja alle, wie das in Kuba so ist.

Für den interessierten Leser gibts einige Webseiten über den Dr. Faber, die er abklappern kann. Die lesenswerten sind unten aufgeführt. Dass die verschiedenen Varianten dieser kuriosen Geschichte nicht hundertprozentig übereinstimmen, hat der Autor der oben erwähnten Geschichte ja selber gesagt und soll uns nicht weiter stören.

Kann sonst noch jemand aus dem Forum etwas zum Thema Dr. Faber beitragen?


http://www.radio-miami.com/TEXTOS%20DIAS/DIA8/prisma.htm

http://baracoa.net/baracoa-enriqueta-faber.html

http://www.lajiribilla.cu/2003/n122_09/122_10.html
Elisabeth
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#2 RE: Dr. Faber - eine wahre Geschichte aus Baracoa, anno 1819 - 1823
25.12.2008 16:25

Die Favre's waren französische Hugenotten, die während deren Verfolgung in Frankreich in grosser Anzahl sowohl in die Romandie, als auch in den Norden (NL) geflüchtet sind.

Meine Ururgrossmutter gehört dazu. D.h. Teile ihrer Familie landeten in Lausanne und blieben Favre. Ein anderer Teil ging nach Amsterdam und wurde zu "Faber".

Das Interessante an dieser Geschichte: wie wurde Dr. Enrique Faber zu Faber obwohl offenbar feststeht, dass sie Schweizerin war oder wenigstens hier lebte aber evtl. noch die französische Nationalität hatte. Ihr vorheriger Wohnort Guadelupe könnte auch darauf hinweisen. Mit einer Hispanisierung ihres Namens hat dies m.E. nichts zu tun.

Ich wäre natürlich sehr daran interessiert, dieses Büchlein zu lesen. Gibt es eine Möglichkeit Pille?

Elisabeth

Karo
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Forums-Senator/in

Beiträge: 2.770
Mitglied seit: 15.04.2006

#3 RE: Dr. Faber - eine wahre Geschichte aus Baracoa, anno 1819 - 1823
25.12.2008 17:09

Klasse Dein Bericht, Pille.
Herzlichen Dank für die Bearbeitung dieses Themas, ich hatte mich ja schon geoutet, dass das Büchlein für mich nur so knapp "der Spur " nach zu verstehen war.
Unser Casa-Wirt in Bcoa hatte es mir geschenkt und so ungefähr die Geschichte erzählt.

PS. wie Du im anderen Posting sehen kannst, hat Dein Bericht auch qualifizierte Interessenten(-in) gefunden !

Pille
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Cubaliebhaber/in

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Mitglied seit: 24.06.2007

#4 RE: Dr. Faber - eine wahre Geschichte aus Baracoa, anno 1819 - 1823
25.12.2008 17:32
Zitat von Elisabeth

Ich wäre natürlich sehr daran interessiert, dieses Büchlein zu lesen. Gibt es eine Möglichkeit Pille?


Tja, Elisabeth, der Forumsteilnehmer, der mir das Buch ausgeliehen hat, ist ja jetzt bekannt. Er als Besitzer dieser Rarität wird mir sicher demnächst sagen, wie zu verfahren ist.
HayCojones
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Rey/Reina del Foro


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#5 RE: Dr. Faber - eine wahre Geschichte aus Baracoa, anno 1819 - 1823
26.12.2008 01:09

Zitat von Pille
Kann sonst noch jemand aus dem Forum etwas zum Thema Dr. Faber beitragen?

2008 (oder auch schon 2006?) soll in Kuba nach zehn Jahren der Recherche ein ausführlicheres Werk zu dieser Frau erschienen sein, das vielleicht noch weitere Aufschlüsse gibt: "Por andar vestida de hombre", verfasst vom kubanischen Sexualhistoriker Julio Cesar González Pagés, Veröffentlichung gefördert vom Kuba-Büro der staatlichen schweizerischen Entwicklungsagentur DEZA. Vielleicht lässt sich dieses Buch ja irgendwo in Kuba auftreiben, oder über irgendwelche Kanäle in der Schweiz. González Pagés benutzt anstatt Faber übrigens die Namensvariante "Enriqueta/Henriette Favez", mit der sich noch mehr Fundstellen ergoogeln lassen. Außer dem Buch gibt es einen ebenfalls DEZA-geförderten Dokumentarfilm mit dem Titel "Favez" (28 Min.) der kubanischen Regisseurin Lídice Pérez López von 2005, sowie ein Theaterstück.

Lisita
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spitzen Mitglied

Beiträge: 570
Mitglied seit: 18.08.2007

#6 RE: Dr. Faber - eine wahre Geschichte aus Baracoa, anno 1819 - 1823
26.12.2008 10:08

Vielen Dank für die Beiträge.
Das ist ja eine spannende Geschichte. Als Henriette Favez wurde sie in Lausanne geboren und wurde in Paris zu Henry Faber.
Habe noch was in in französisch gefunden. Der Film würde mich sehr interesieren.
Also leider keine Favre, die vielleicht noch am Rande mit Elisabeth verwandt sein könnte.

Gruss
Lisa

Pille
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Cubaliebhaber/in

Beiträge: 761
Mitglied seit: 24.06.2007

#7 RE: Dr. Faber - eine wahre Geschichte aus Baracoa, anno 1819 - 1823
26.12.2008 13:55

Zitat von HayCojones

Vielleicht lässt sich dieses Buch ja irgendwo in Kuba auftreiben, oder über irgendwelche Kanäle in der Schweiz.



Das dürfte eine Herausforderung werden. Ich habe meine novia darauf angesetzt, aber ich glaube nicht, dass sie in der mickrigen Buchhandlung in Baracoa fündig wird. Im März klappere ich dann die Buchhandlungen in Santiago de Cuba ab. Sollte ich rein per Zufall das Buch finden, hätte sonst noch jemand Interesse? Dann würde ich mehr als ein Exemplar kaufen.

Karo
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Forums-Senator/in

Beiträge: 2.770
Mitglied seit: 15.04.2006

#8 RE: Dr. Faber - eine wahre Geschichte aus Baracoa, anno 1819 - 1823
27.12.2008 15:31

Zitat von Pille
Zitat von HayCojones

Vielleicht lässt sich dieses Buch ja irgendwo in Kuba auftreiben, oder über irgendwelche Kanäle in der Schweiz.



Das dürfte eine Herausforderung werden. Ich habe meine novia darauf angesetzt, aber ich glaube nicht, dass sie in der mickrigen Buchhandlung in Baracoa fündig wird. Im März klappere ich dann die Buchhandlungen in Santiago de Cuba ab. Sollte ich rein per Zufall das Buch finden, hätte sonst noch jemand Interesse? Dann würde ich mehr als ein Exemplar kaufen.



das kleine Büchlein war auch aus diesem Laden.

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