«Ein kleines Wunder»

08.09.2003 11:07
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Rey/Reina del Foro

Montag 8. September 2003, 08:40 Uhr
«Ein kleines Wunder»: 3. Internationales Literaturfestival in Berlin

Berlin (dpa) - So könnte das Paradies für passionierte Leser aussehen: In Salons und auf Bühnen stellen Schriftsteller ihre Texte vor, unterhalten sich mit den Zuhörern, stehen Rede und Antwort, geben Einblicke in die Entstehungsgeschichte ihrer Bücher. Wenn am kommenden Mittwochabend (10. September) in Berlin zum dritten Mal das Internationale Literaturfestival eröffnet wird, können wieder tausende Lesehungrige zehn Tage lang «Literatur live» erleben.

Knapp 150 Autoren und Autorinnen aus aller Welt wollen bis zum 21. September an fast zwei Dutzend Orten in der Hauptstadt auftreten, lesen, sprechen, diskutieren. Neben Stars der Literaturszene wie die Nobelpreisträger Imre Kertész und Günter Grass nehmen an den rund 250 Veranstaltungen junge Autoren aus Asien, Afrika und Lateinamerika teil. Kertész wird am 21. September aus seinem neuen Roman «Liquidation» lesen, einen Tag später stellen Günter Grass und seine Tochter Helene in einem literarisch-musikalischen Abend Texte aus dem Volksliedbuch «Des Knaben Wunderhorn» vor.

Die Begegnung etablierter Schriftsteller mit neu entdeckten Literaten dürfte in dieser Zahl weltweit einmalig sein. So will Martin Walser sein neues Buch «Messmers Reisen» vorstellen, Bestseller-Autor Jonathan Franzen («Die Korrekturen») aus seinem neuen Roman «Die 27ste Stadt» lesen, Leon de Winter über seinen Thriller «Malibu» im kleinen Kreis sprechen. Zu den bekannten Namen gehört der Brite Hanif Kureishi («Mein wunderbarer Waschsalon»), der Schwede Lars Gustafsson und der Schweizer Adolf Muschg.

«Ein kleines Wunder» nennt Festivalleiter Ulrich Schreiber die neue Ausgabe des Literaturtreffens. Es ist vor allem Schreibers Beharrlichkeit zu verdanken, dass das Festival bereits in seinem dritten Jahr stattfindet. Schreiber, im Hauptberuf Ingenieur und Bauleiter, hat unermüdlich für das Festival gekämpft, die Klinken bei Sponsoren und Behörden geputzt, Autoren umgarnt, Medien für sein Vorhaben eingespannt. Dabei scheute er auch nicht vor Streit um Termine und Gelder mit der eingesessenen Berliner Literaturwerkstatt und ihrem «Sommer der Literaturen».

Die Zeiten, als Schreiber das Festival noch von seiner Küche aus organisierte, sind vorbei. Das Festival hat schon im vergangenen Jahr Büros in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte bezogen. Geblieben ist die große Zahl von Praktikanten, die sich für das Fest engagieren. Etwa 20 Angestellte arbeiten an der Organisation mit. Im Mittelpunkt des Festivals stehen die «Literaturen der Welt», zu dem eine Jury von elf Schriftstellern Autoren ihrer Wahl nach Berlin einladen. In der Sparte «Kaleidoskop» werden die Schriftsteller direkt von der Festivalleitung eingeladen.

In Zusammenarbeit mit Berliner Schulen und Bibliotheken werden auch 15 Kinderbuchautoren vor Ort lesen. In der Sparte «Erinnerung sprich» werden Klassiker wie Ovid oder Vladimir Nabokov neu entdeckt. Die Reihe «Reflections» bietet ein Forum zur kulturpolitischen Diskussion, die in diesem Jahr um den Irak-Krieg und die Zukunft Kubas kreisen soll. Zum Festival erscheint eine «Berliner Anthologie» mit 99 Gedichten und einem Vorwort von Hans Magnus Enzensberger. Ergänzt wird das Programm mit einem Forum zu kulturpolitischen Fragen sowie eine Reihe mit Literaturverfilmungen.


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