Zeit des Nach- und Überdenkens in Kuba

06.01.2008 01:45
#1 Zeit des Nach- und Überdenkens in Kuba
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Rey/Reina del Foro

Zeit des Nach- und Überdenkens in Kuba

Breite Debatte über gesellschaftliche Entwicklung / Probleme werden offen angesprochen
Von Leo Burghardt, Havanna
In Kuba hat das 50. Jahr seit dem Sieg der Revolution begonnen. Das Land kann auf so manchen Erfolg verweisen. Aber vieles, darin ist man sich einig, muss anders werden.

Kuba ist seit 17 Monaten belastet mit einer ungelösten Frage: Wie sieht Fidel Castros politische Zukunft aus? Das will nicht nur die mexikanische Agentur Notimex beobachtet haben. Aber es sind fast nur Ausländer, die diese »Belastung« in den Vordergrund stellen. Die Kubaner sind inzwischen davon überzeugt, dass der Comandante wiederkommt – ohne seine frühere Ämterfülle natürlich.

Außerdem, so finden sie, habe er durch seine Artikel (über 70 wurden während seiner Krankheit bereits veröffentlicht) gezeigt, dass er von seiner Fähigkeit als Denker und Stratege nichts eingebüßt hat. Er werde weiter gebraucht. Raúl Castro und sein Kollektiv hätten zwar ihre Sache sehr gut gemacht, aber wer glaubt schon, dass sie schwerwiegende Dinge angepackt haben, ohne den Comandante zu konsultieren.

Die Auslandspresse zitiert immer wieder die selbstkritischen Teile aus der Rede Raúl Castros vom 26. Juli vergangenen Jahres, wobei sie bewusst oder unbewusst die Tatsache unterschlägt, dass es eben Fidel Castro war, der am 17. November 2005 die nationale Debatte über gravierende Irrtümer, menschenverachtende Bürokratie und Korruption angeschoben hatte, die zur Selbstzerstörung der Revolution führen könnten. Aber im Juli 2006 wurde er zum ersten Mal operiert und gab den Stafettenstab an das von ihm ausgewählte Team weiter. Auch solche Erkenntnisse stammen von ihm: »Unser größter Fehler war zu glauben, dass jemand wisse, wie Sozialismus zu machen ist.« Oder: »Die Probleme der kubanischen Gesellschaft erfordern derart viele Lösungsvarianten, wie ein Schachbrett Felder hat.«

Die Suche nach den Varianten setzte Raúl Castro fort. Fünf Millionen Kubaner haben sich an der von ihm angeregten großen Debatte beteiligt. Sie ist öffentlich noch nicht ausgewertet, aber die Ergebnisse liegen den zehn Parlamentskommissionen vor. Für den nur mal kurz in Kuba Vorbeischauenden ist es verblüffend, dass kaum jemand das System in Frage stellte, obgleich gerade in letzter Zeit eine zunehmende Zahl populärer Kubaner das Land verlässt.

Aber es wurde Tacheles geredet. ...

http://www.neues-deutschland.de/artikel/121724.html

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La vida debería ser amarilla... amar y ya.

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06.01.2008 10:28
avatar  Moskito
#2 RE: Zeit des Nach- und Überdenkens in Kuba
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Rey/Reina del Foro

In Antwort auf:
Zeit des Nach- und Überdenkens in Kuba

Und ich dachte schon. EHB hätte doch noch einen Reisebericht geschrieben...

S


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