Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)

10.01.2008 06:42
#1 Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Forums-Senator/in

http://www.caiman.de/01_08/art_2/index.shtml

In Antwort auf:
Ich verweigere jede weitere Auseinandersetzung mit den Tonvasen und gehe auf dem Gelände umher. Vor dem Haus gibt es eine Lücke im Wellblechzaun. In einiger Entfernung eine kleine Gruppe zerlumpter Menschen, wie ich das auf der Insel bisher nicht gesehen habe. Mit Zeichensprache deuten sie mir, was sie wollen: Kleidung, Seife, Lippenstift, Kugelschreiber, Shampoo. Völlig wort- und lautlos. Das bedrückendste Bild meines Aufenthalts. Ich habe absolut nichts dabei, was ich ihnen geben könnte. Auf meinen Kugelschreiber kann ich nicht verzichten. Ich mache ein Zeichen des Bedauerns. Sie winken mir trotzdem.




In Antwort auf:
An der Wellblechzaunwand hängt ein Vogelkäfig. In allen Reiseführern steht, dass Vogelkäfige typisch für Trinidad sind. Die Bewohner gingen sogar mit den gefiederten Haustieren auf der Straße spazieren. Es soll sogar eine Redewendung geben (ich vergaß dann, das zu verifizieren): Se pasea sin jaula por las calles de Trinidad (er geht ohne Käfig in den Straßen von Trinidad spazieren), soll so viel heißen wie: er ist seltsam.




In Antwort auf:
Der Abzug aus dem Touristenghetto wird vom Reiseleiter angeordnet. Ich warte bereits vor der Wellblechtür. Endlich geht sie auf. Der Polizist knüppelt gerade Bettelnde weg. Von wegen "tropischer Sozialismus". Ich sitze ganz hinten in dem Kleinbus, drehe mich um und sehe, wie die Gruppe dem Bus hinterherläuft. Manche machen noch immer Zeichen, obwohl es längst keine Chance mehr gibt, irgendetwas zu ergattern. Ich frage mich, ob das die Mitreisenden, die tatsächlich Tonfigürchen und Vasen gekauft, überhaupt bemerkt haben.




In Antwort auf:
Keine Autos. Ein von einem Gaul gezogener Karren. Wir werden zu einer Zigarrenfabrik gelotst. Überall Menschen mit neugierigen und taxierenden Blicken. Eine Alte zupft mich an der Bluse. Ich bleibe stehen, und sie zieht einen Schuh aus und hält ihn mir direkt vor die Nase. In der Sohle zwei riesige Löcher. Ich fühle mich wieder ohnmächtig und auch schon überfordert. Der Reiseleiter befielt ihr, wegzugehen. Ich wühle in meiner Tasche, laufe ihr nach und gebe ihr einen Dollar. Sie sagt gar nichts, schaut mich ganz ungläubig an. Der Reiseleiter sagt mir, dass ich den Leuten kein Geld geben solle. Er selbst schaut auch ziemlich verkrampft und unglücklich drein.



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10.01.2008 09:55
avatar  seizi
#2 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Rey/Reina del Foro


Das Ganze liest sich wie ein einziger Alptraum. Ist aber super geschrieben.

Wer nach dieser Lektüre noch ein All-Inclusive-Hotel bucht und die geführten Touristentouren mitmacht,
muss Masochist sein.


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10.01.2008 11:00
#3 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Rey/Reina del Foro

das klingt eher nach Dom Rep als nach Cuba - oder Cuba 1994 und was will er/sie mit Dollar?

_________
"Ehrenmänner lesen nicht die Post anderer Leute" - Henry L. Stimson US-Außenminister 1929


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10.01.2008 13:27 (zuletzt bearbeitet: 10.01.2008 13:27)
#4 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Rey/Reina del Foro
Der Havanna-Teil ist aus den späten Neunzigern. "Hochmoderne Plateausohlen"
An die DomRep hat mich an diesem Bericht allerdings überhaupt nichts erinnert.

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10.01.2008 19:20 (zuletzt bearbeitet: 10.01.2008 19:23)
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#5 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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In Antwort auf:
Ich mache ein Zeichen des Bedauerns. Sie winken mir trotzdem.

...mit dem mittelfinger?

In Antwort auf:
Der Polizist knüppelt gerade Bettelnde weg. Von wegen "tropischer Sozialismus

würde ich so strikt anzweifeln. wenn der pobrecito "nur" gebettelt hat ohne aggresive handlungen, diebsstahl... wird in Cuba nicht geknüppelt. gerade vor den augen der touristen!

In Antwort auf:
Ich frage mich, ob das die Mitreisenden, die tatsächlich Tonfigürchen und Vasen gekauft, überhaupt bemerkt haben.

viele hoteltouris kaufen deratiges auf den märkten manchmal nur aus mitleid! obwohl sie für diese dinge zu hause nicht zwingend verwendung oder platz haben kaufen sie schon allein mit der hoffnung das ihre dollars den leuten ein bischen helfen.

In Antwort auf:
Der Reiseleiter sagt mir, dass ich den Leuten kein Geld geben solle.

natürlich! nicht selten ist es der staatliche reiseleiter der anschließend vom touri um eine milde gabe bittet. wenn yuma schon vorher alles woanders ausgibt schwindet sein anteil beträchtlich. denn er ist der letzte der "bedürftigen".

@Rafeal70, wie sind denn so deine persönlichen erlebnisse von Cuba?

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10.01.2008 19:25
avatar  Tine
#6 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Forums-Senator/in


In Antwort auf:
Der Polizist knüppelt gerade Bettelnde weg.


habe ich in etwa so selbst mal erlebt, 1996 busfahrt zum flughafen es war nicht der polizist der knüppelte sondern ein reiseleiter der zwei bettelnde kinder mit dem fuss vom bus weg stieß, ich war entsetzt. was dann folgte brauch ich sicher nicht zu schreiben



Der Horizont mancher Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - das nennen sie dann ihren Standpunkt.


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10.01.2008 19:33 (zuletzt bearbeitet: 10.01.2008 19:35)
#7 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Forums-Senator/in
Zitat von el carino
In Antwort auf:
Der Polizist knüppelt gerade Bettelnde weg. Von wegen "tropischer Sozialismus

würde ich so strikt anzweifeln. wenn der pobrecito "nur" gebettelt hat ohne aggresive handlungen, diebsstahl... wird in Cuba nicht geknüppelt. gerade vor den augen der touristen!


Wer die Willkür der Polizei gegenüber ihren eigenen Landsleuten erlebt hat, zweifelt keinen Augenblick an dieser Schilderung. Der durchschnittliche Polizist schlägt erst einmal zu, bevor er fragt. Das Gefühl, (primitive) Macht über andere ausüben zu können, gepaart mit dem kubanischen Machismus sowie dem Minderwertigkeitskomplex der meist farbigen, nicht selten auch noch aus der Provinz stammenden und leider auch oft ungebildten Polizisten bilden einen explosiven Mix.


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10.01.2008 19:46
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#8 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Zitat von Rafael_70
Zitat von el carino
In Antwort auf:
Der Polizist knüppelt gerade Bettelnde weg. Von wegen "tropischer Sozialismus

würde ich so strikt anzweifeln. wenn der pobrecito "nur" gebettelt hat ohne aggresive handlungen, diebsstahl... wird in Cuba nicht geknüppelt. gerade vor den augen der touristen!


Wer die Willkür der Polizei gegenüber ihren eigenen Landsleuten erlebt hat, zweifelt keinen Augenblick an dieser Schilderung. Der durchschnittliche Polizist schlägt erst einmal zu, bevor er fragt. Das Gefühl, (primitive) Macht über andere ausüben zu können, gepaart mit dem kubanischen Machismus sowie dem Minderwertigkeitskomplex der meist farbigen, nicht selten auch noch aus der Provinz stammenden und leider auch oft ungebildten Polizisten bilden einen explosiven Mix.




meinst Du die Polizisten, die verfassungswidrig (jetzt ist es amtlich) gegen die G8 Gipfel - Gegner vorgingen?


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10.01.2008 21:08
avatar  guajira
#9 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Top - Forenliebhaber/in

Ich glaube ebenfalls, dass es stimmt, dass der Polizist zugeschlagen hat.
En pleno periodo especial 1994 - ich das erste Mal auf Cuba und keine Ahnung von nix - habe ich auch so eine organisierte Tour gemacht: Trinidad, Cienfuegos, Topes de Collantes.
In Trinidad mussten der Reiseleiter und der Busfahrer die Menschen mit Gewalt aus dem Bus drängen, weil nicht nur wir sondern auch andere Mitreisende freigiebig alles mögliche Zeug verteilt hatten.... Das hat mich damals auch noch lange beschäftigt...


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11.01.2008 03:48 (zuletzt bearbeitet: 11.01.2008 03:50)
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#10 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Zitat von Rafael_70


Wer die Willkür der Polizei gegenüber ihren eigenen Landsleuten erlebt hat, zweifelt keinen Augenblick an dieser Schilderung. Der durchschnittliche Polizist schlägt erst einmal zu, bevor er fragt. Das Gefühl, (primitive) Macht über andere ausüben zu können...

Das ist wohl eine Eigenschaft, die Polizisten grundsätzlich weltweit "auszeichnet".
In Deutschland ist es darüber hinaus zur "lieben Gewohnheit" der Gewalttäter in Uniform geworden, die grundlos zusammengeknüppelten gleich noch mit einer Strafanzeige wg. "versuchter Körperverletzung" und "Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte" zu verhöhnen - und sie kommen (so nicht irgendwelche zufällig gemachten Videos vom Hergang der Tat existieren) bei der von der (vom Gesetz) unabhängigen Justiz auch fast jedesmal damit durch.
Ein Umstand, den amnesty international immer wieder aufs neue beklagt - natürlich ohne Erfolg.


Don Olafio

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11.01.2008 03:54
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#11 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Zitat von Tine

habe ich in etwa so selbst mal erlebt, 1996 busfahrt zum flughafen es war nicht der polizist der knüppelte sondern ein reiseleiter der zwei bettelnde kinder mit dem fuss vom bus weg stieß, ich war entsetzt. was dann folgte brauch ich sicher nicht zu schreiben

Wenn man solche Vorkommnisse missbilligt, liegt es natürlich auch an einem selbst, den uniformierten Gewalttätern lautstark deutlich zu machen, was man von deren Vorgehen hält. Soll zuweilen helfen..


Don Olafio


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11.01.2008 09:47
avatar  Tine
#12 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Forums-Senator/in

Zitat von don olafio
Wenn man solche Vorkommnisse missbilligt, liegt es natürlich auch an einem selbst, den uniformierten Gewalttätern lautstark deutlich zu machen, was man von deren Vorgehen hält. Soll zuweilen helfen..
Don Olafio


geholfen hat es zumindest in diesem moment, ich fand es unglaublich das ein cubanischer reiseleiter gegen zwei 10 jahre alte kinder, die nur ne zerlumpte hose trugen und ein paar cent wollten, so brutal mit fusstritten vorging.
1996 in moron.



Der Horizont mancher Menschen ist ein Kreis mit dem Radius Null - das nennen sie dann ihren Standpunkt.


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11.01.2008 10:57 (zuletzt bearbeitet: 11.01.2008 11:02)
#13 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Rey/Reina del Foro
Zitat von Tine
Zitat von don olafio
Wenn man solche Vorkommnisse missbilligt, liegt es natürlich auch an einem selbst, den uniformierten Gewalttätern lautstark deutlich zu machen, was man von deren Vorgehen hält. Soll zuweilen helfen..
Don Olafio


geholfen hat es zumindest in diesem moment, ich fand es unglaublich das ein cubanischer reiseleiter gegen zwei 10 jahre alte kinder, die nur ne zerlumpte hose trugen und ein paar cent wollten, so brutal mit fusstritten vorging.
1996 in moron.

Das mit den Fußtritten ist natürlich bosartig und völlig unangemessen. Allerdings sollte man Kindern von Anfang an beibringen, daß nicht gebettelt wird. Denn die nächste Stufe nach betteln ist stehlen.

Die sollen lieber ihre Nase ins Schulbuch stecken und was ordentliches für ihr Leben lernen. Denn zurzeit existiert in Kuba noch ein funktionierendes Bildungswesen. Und gerade in Kuba sollte es niemand nötig haben, zu betteln. Das kann man den Kindern aber anders vermitteln als mit Fußtritten.

Wenn sie allerdings schon in dem Stadium des penetranten Bettelns angelangt sind, und sich womöglich an den Klamotten der potenziellen Opfer festkrallen, dann ist schon etwas Nachdruck vonnöten. Allerdings nicht unbedingt Fußtritte.

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12.01.2008 09:56
#14 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Forums-Senator/in

Zitat von el loco alemán

Das mit den Fußtritten ist natürlich bosartig und völlig unangemessen. Allerdings sollte man Kindern von Anfang an beibringen, daß nicht gebettelt wird. Denn die nächste Stufe nach betteln ist stehlen.


... oder sich prostituieren ... gell mein Lieber, gerade du hast es nötig, moralisierende Kommentare abzugeben ....

Zitat von el loco alemán
Die sollen lieber ihre Nase ins Schulbuch stecken und was ordentliches für ihr Leben lernen. Denn zurzeit existiert in Kuba noch ein funktionierendes Bildungswesen.


Das ist ja wohl lächerlich. Welche Jobs in Kuba gibt es denn, die ein menschenwürdiges Einkommen garantieren?

Wer die schriftlichen Aufzeichnungen der Opfer dieses "Bildungsssystems" erhält, kann sich ein zutreffendes Bild über die "Qualität" dieser Einrichtungen machen.





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12.01.2008 11:14
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#15 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Zitat von Rafael_70
Zitat von el loco alemán


Die sollen lieber ihre Nase ins Schulbuch stecken und was ordentliches für ihr Leben lernen. Denn zurzeit existiert in Kuba noch ein funktionierendes Bildungswesen.


Das ist ja wohl lächerlich. Welche Jobs in Kuba gibt es denn, die ein menschenwürdiges Einkommen garantieren?





man lernt nicht für das Heute, sondern für die Zukunft, das meinte sicher ELA, und die Zukunft wird vielleicht anders dort aussehen


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12.01.2008 14:04
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#16 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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In Antwort auf:
man lernt nicht für das Heute, sondern für die Zukunft,


mancher lernt in der schule, kann in der praxis damit nichts, aber überhaupt nichts anfangen.


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12.01.2008 16:17
avatar  George1
#17 RE: Kuba: Varadero - Auszüge aus einem Reisetagebuch (Teil VII)
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Rey/Reina del Foro

Zitat von el carino
mancher lernt in der schule, kann in der praxis damit nichts, aber überhaupt nichts anfangen.


Stümmt. "Nicht für die Schule - für´s Leben lernt man"
Nur was nützt´s wenn ich Schillers "Die Glöcke" fehlerfrei rezitieren kann oder weiß wieviel der Mond wiegt - wenn ich nicht in der Lage bin mich im täglichen Leben zurechtzufinden ( geschweige denn zu wissen welche cubana ´ne mala oder ´ne buena ist )

_________
Die USA-Massenverblödung(,)die in Deutschland immer mehr um sich greift, ist eine der schlimmsten Kriegsfolgen(A. Schweitzer)


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