Dürre gefährdet Reisproduktion

17.01.2005 22:12
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#1 Dürre gefährdet Reisproduktion
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Rey/Reina del Foro

Dürre gefährdet Reisproduktion
Patricia Grogg (IPS)

Kuba muß in diesem Jahr mit einem Ernterückgang des Grundnahrungsmittels um mehr als zwei Drittel rechnen

In Kuba hat die fortwährende Dürre zu massiven Einbrüchen in der Reisproduktion geführt. Hatte der karibische Inselstaat in Spitzenjahren 320000 Tonnen eingefahren, fiel die Ernte 2004 auf 260000 Tonnen zurück. Auch im neuen Jahr ist es um den Reisanbau schlecht bestellt. Erwartet wird ein Output von 70000 Tonnen.

Somit muß sich Kuba darauf einstellen, die Importe des wichtigen Grundnahrungsmittels deutlich zu steigern. Immerhin liegt der Reisverzehr der 11,2 Millionen Kubaner bei rund 54 Kilogramm pro Kopf und Jahr.

Kubanische Wissenschaftler sprechen bereits von der schlimmsten Trockenperiode der letzten 70 Jahre. Ihren Berechnungen zufolge sind in den 235 Auffangbecken, aus denen Kubaner ihr Wasser beziehen, nur noch 3466 Millionen Kubikmeter übrig geblieben. Das entspricht dem Stand von 1993.

Kuba ist in Sachen Reis kein Selbstversorger, sondern kauft nach Angaben der staatlichen Nahrungsmittelimportbehörde »Alimport« um die 550000 Tonnen Reis im Ausland ein. Der überwiegende Teil der Importe kommt aus China und Vietnam und inzwischen auch aus den USA.

Bis Anfang der 90er Jahre lag die kubanische Reisproduktion weitgehend in staatlicher Hand. Damals verfolgte die Inselrepublik den großflächigen Anbau, bei denen große Agrarmaschinen zum Einsatz kamen. Neben einem hohen Bedarf an Treibstoff benötigte das Land große Mengen an Wasser, Dünger und Schädlingsbekämpfungsmitteln. Das Ergebnis war eine jährliche Produktion von 200 000 Tonnen.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verlor Kuba seinen wichtigsten Handelspartner. Dies führte zu Engpässen bei der Beschaffung von Treibstoff und Agrochemikalien. Damals rief die Regierung die Volksbewegung für den Reisanbau ins Leben, der rund 190000 kleine Reisbauern angehören. Sie beackern kleine Parzellen in der Größe von einem halben bis einem Hektar. Insgesamt haben sie es auf eine Reisanbaufläche von 165000 Hektar gebracht und fuhren 2003 eine Ernte von 270000 Tonnen ein.

Das Kleinbauernprogramm verfolgt zum einen eine Erhöhung der Vielfalt des Reisanbaus. Zum anderen werden die Produzenten mit dem nötigen Know-how einer nachhaltigen Anbauweise vertraut gemacht. Erneuerbare Energien werden ebenso gefördert wie die Verwendung biologischer Düngemittel. Außerdem werden die Farmer mit kleineren und handlichen Landmaschinen ausgestattet, die aus Japan und Vietnam bezogen werden. Praktische Hilfe kommt von Fachleuten des Reisforschungsinstituts, die das entsprechende Saatgut bereitstellen und ertragssteigernde Anbautechniken vermitteln.

Doch die Dürre fordert ihren Tribut, und so müssen die Kleinbauern wahre Wunder vollbringen, um die Reiskulturen feucht zu halten. In den besonders trockenen Gebieten sind sie dazu übergegangen, die genügsame vietnamesische Reissorte LC-8866 auszusäen.

Das Reisforschungsinstitut verfügt landesweit über mehr als 100 Versuchsfelder. Dort können sich die Bauern der verschiedenen Regionen die Sorten beschaffen, die sich für die jeweiligen Böden und Bedingungen besonders gut eignen. 80 Prozent der in Kuba verfügbaren Varietäten sind verbessert worden. Bei den restlichen 20 Prozent handelt es sich um traditionelle und bewässerungsintensive Varietäten.

http://www.jungewelt.de/2005/01-18/006.php

Cuba-Reiseinfos
avenTOURa


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17.01.2005 23:44
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#2 RE:Dürre gefährdet Reisproduktion
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( Gast )

In Antwort auf:
Kuba ... kauft... um die 550000 Tonnen Reis im Ausland ein. Der überwiegende Teil der Importe kommt aus China und Vietnam und inzwischen auch aus den USA.

Wie ist es trotz der Blockade möglich, dass Teile der Reisimporte auch aus den USA kommen


Mit besten Grüßen,

P.


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18.01.2005 00:10 (zuletzt bearbeitet: 18.01.2005 00:11)
#3 RE:Dürre gefährdet Reisproduktion
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super Mitglied

Lebensmittellieferungen sind gemäß eines Beschlusses aus 2001 (?) der USA vom Embargo ausgenommen.

Die USA sind inzwischen einer der größten Lebensmittellieferanten Cubas.
Nicht zuletzt aufgrund attraktiver Preise und kurzer Transportwege.

2002 fand bereits die erste Messe speziell für US-amerikanische Lieferanten im Vorfeld der FiHAv statt.
Schwerpunkte sind Reis, Hühnchen, Getreide u.a.
Der Gros der Lieferungen kann allerdings nicht mit langen Kreditlinien gekauft werden (wie bei europäischen Lieferanten üblich), sondern ist ein Cash-Geschäft, was die Barreserven Cubas zusätzlich schwächt und sich auf die Bezahlung anderer Rechnungen sowie neuen Bestellungen negativ auswirkt.

Entgegen dem Trend den Zwischenhandel auszuschliessen, nimmt der Import von Lebensmitteln über US Firmen aus den USA ständig zu.

*Mal so aus dem Kopf ohne Quellenangabe*


Michael
..................................................
Alles was Sie hier schreiben, kann zu einem späteren Zeitpunkt gegen Sie verwandt werden :-)


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18.01.2005 00:38
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#4 RE:Dürre gefährdet Reisproduktion
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( Gast )

Dank Dir, Michael, für die promte und kompetente Antwort

Mit besten Grüßen,
P.


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18.01.2005 10:37
avatar  TJB
#5 RE:Dürre gefährdet Reisproduktion
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TJB
Top - Forenliebhaber/in

In Antwort auf:
so müssen die Kleinbauern wahre Wunder vollbringen
Trinkt der Guajiro morgens Rum,
werden alle Furchen krumm


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18.01.2005 10:42
avatar  elcrocoloco ( gelöscht )
#6 RE:Dürre gefährdet Reisproduktion
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elcrocoloco ( gelöscht )

Hihi!

Der ist gut! =§:-)))


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18.01.2005 12:28
avatar  ( Gast )
#7 RE:Dürre gefährdet Reisproduktion
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( Gast )

Mal wieder große Klasse, TJB!

elisabeth 2


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18.01.2005 12:39
avatar  TJB
#8 RE:Dürre gefährdet Reisproduktion
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TJB
Top - Forenliebhaber/in

... und ich lache auch stets drüber

(Ist doch ein schönes Unterhaltungsprogramm - nicht wahr ?)


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18.01.2005 14:40 (zuletzt bearbeitet: 18.01.2005 14:40)
avatar  ( Gast )
#9 RE:Dürre gefährdet Reisproduktion
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( Gast )

In Antwort auf:
Der Gros der Lieferungen kann allerdings nicht mit langen Kreditlinien gekauft werden (wie bei europäischen Lieferanten üblich),

Wenn ich mich recht erinnere, hat Kuba auch einige der alten Lieferanten auf ihren offenen Rechnungen sitzen lassen

Und dank Bürgschaften wie Hermes paßt der Spruch: Gewinne werden individualisiert und Verluste sozialisiert


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18.01.2005 15:50
#10 RE:Dürre gefährdet Reisproduktion
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super Mitglied

In Antwort auf:
Wenn ich mich recht erinnere, hat Kuba auch einige der alten Lieferanten auf ihren offenen Rechnungen sitzen lassen

Ich kann es nur für europäische Firmen beurteilen, und da ist es vielfach so, wie du schreibst. Entweder gar nicht beglichen, oder nach 12 Monaten, oder nach mehreren Monaten nachverhandelt nach dem Motto: "Wir geben dir jetzt 60% und dafür sind wir quitt". Daher hat man sich dann darauf eingestellt, dass bei Abschlagsvereinbarungen, die letzte Rate immer offen bleibt und man die Kosten auf die Abschläge umrechnen muß.
Schlimm daran ist, dass ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten nie wirklich gegeben ist.
Das heute nur noch 20 bis 30% der ausländischen Firmen, die zu Spitzenzeiten mal da waren im Land sind, ist sicher auch eine Folge.

Michael
..................................................
Alles was Sie hier schreiben, kann zu einem späteren Zeitpunkt gegen Sie verwandt werden :-)


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