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 Lateinamerika und karibische Inseln ( kleine und große Antillen)
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Eine Krone der Schöpfung
31.12.2004 19:07

In Antwort auf:
Eine Krone der Schöpfung

Im Nordosten Brasiliens gedeiht mit der "Flor de Brasil", jener Tabak, der neben dem Havanna
zu den besten zählt. Unter dem Fabrikat Dannemann eroberte die Brasil-Zigarre Europa
VON DIRK BRUNS

Wer kennt diese Bilder nicht: Zigarren in den Händen von Schauspielern wie Jean-Paul Belmondo und Paul Newman, von Politikern wie Churchill und John F. Kennedy? Premium-Zigarren symbolisieren Wohlstand, Reichtum, ein Über-den-Dingen-Stehen. Sie sind Luxus oder wie George Sand, die französische Schriftstellerin und Zigarrenraucherin, es ausdrückte: "Zigarren sind die perfekte Ergänzung eines eleganten Lebensstils."

Herkunftsort der laut Guia Quatro Rodas 2004 " besten Zigarren" Brasiliens, des größten Tabak exportierenden Landes, ist das Recôncavo, dessen Name das Herz eines jeden Aficionados (Zigarrenliebhabers) höher schlagen lässt. Hier im Nordosten Brasiliens, westlich von Salvador, gedeiht mit der "Flor de Brasil", jener Tabak, der neben dem Havanna zu den besten zählt, und hier haben auch Talvis, Chaba, Suerdieck, Josefina, Le Cigar, Menendez und Dannemann ihre Produktionsstätten.

Im Zentrum der Mata-Fina-Region des Recôncavo liegen die Zwillingsstädte Cachoeira und São Félix, leicht zu erreichen mit dem Bus vom 116 Kilometer entfernten Salvador. Das durchschnittliche jährliche Pro-Kopf-Einkommen beträgt hier mit 1.600 US-Dollar nicht einmal ein Drittel von dem der Paulistanos.

In der Av. Antonio Carlos Magalhaes 82 B finden wir die Fabrik Talvis. Von Pedro II. durch ein kaiserliches Dekret 1877 zu "artesãos charuteiros" ernannt ist sie die älteste Zigarilloproduktion Brasiliens und hat sicher bessere Tage erlebt. Die Farbe des mit schönen Jugendstilornamenten geschmückten weißen Hauses ist verwittert und der Putz bröckelt. "Fabrica de charuto" steht auf einem einfachen Holzschild über dem Eingang, aber zurzeit werden hier überwiegend Zigarillos gefertigt. Pedrinho, der Geschäftsführer, zeigt den Saal, in dem 15 Frauen sorgfältig mit der Hand Zigarillos drehen. "In Cachoeira wird die ,Línea popular' produziert, die edlen Zigarren Indiana und Imperial werden in Cruz das Almas hergestellt", erklärt Pedrinho. Der Absatz dort gehe allerdings zurück, was zum Teil auf den hohen Preis zurückzuführen sei. Eine 25er-Packung Premium-Zigarren liegt leicht über dem Mindestlohn von 260 Reais, den die Zigarrenwicklerinnen bei Talvis und Dannemann in einem Monat verdienen.

Die 365 Meter lange Brücke Pedro II. mit ihrer imposanten Stahlproduktion aus dem Jahr 1885 überquert den Río Paraguaçu und verbindet Cachoeira mit São Félix. Von ihr biete sich der Anblick, der durch abertausende Zigarilloblechschachteln in der ganzen Welt bekannt ist: das Ufer des Río Paraguaçu mit seinen sanften Hügeln und das charakteristische weiße Gebäude mit den Spitzdächern und den großen Lettern des Mannes, der die Geschichte von São Félix entscheidend prägte: Dannemann.

Geboren wurde Gerhard Dannemann 1850 im deutschen Bremen, das bald zu den führenden Umschlagplätzen für Tabak in Europa gehören sollte.

Im deutsch-französischen Krieg 1870/71 wurde er verwundet und lebte während seiner Genesungszeit in Freiburg im Breisgau, wo er viel über den Tabakanbau lernte. 1872 wanderte er nach Bahia aus, kaufte für wenig Geld die Zigarrenfirma Schnarrenbruch, ließ sich 1873 in São Félix nieder und eröffnete mit sechs freien Lohnarbeiterinnen seine Fabrik. Im Recôncavo hatte Geraldo, wie er sich nun nannte, mit den fruchtbaren Böden und dem feucht-warmen Klima ideale Bedingungen für den Tabakanbau gefunden und dazu mit Salvador einen Hafen als Verbindung zum alten Kontinent in Reichweite. Seine Qualitätszigarren setzten sich durch, sein Geschäft florierte und Dannemann wurde bald einer der erfolgreichsten Unternehmer Bahias. 1912 beschäftigte er 4.000 Mitarbeiter in sechs Fabriken. Zusammen mit dem aus Westfalen eingewanderten August Suerdieck gelang es Dannemann, den Brasil-Zigarren jenes Image zu verleihen, das sie bis heute haben.

Der brasilianische Kaiser Don Pedro II. unterstützte diesen Unternehmergeist und verlieh ihm 1883 den Titel "Imperial Charutos Dannemann". Nur wenige Jahre später zeigte sich der deutsche Unternehmer anpassungsfähig. Unmittelbar nach der Revolution von 1889 wurde er Republikaner, und sein Freund Dr. Manoel Vitorino, der Gouverneur von Bahia, erklärte São Félix zu einer unabhängigen Stadt und Dannemann zu ihrem ersten Bürgermeister. Geraldo setzte sich für soziale Einrichtungen ein, ließ das Rathaus bauen, die Straßen pflastern, die Stadt beleuchten. Seine Bürger dankten es ihm mit der Wiederwahl.

Brasilien trat 1917 an der Seite der USA in den Krieg gegen Deutschland ein. Das führte zur Fusion mit dem Unternehmer Stender und zur Gründung der Companhia de Charutos Dannemann, die etliche deutsche Fachleute einstellte. Die goldenen Jahre endeten mit dem Zweiten Weltkrieg, dem erneuten Kriegseintritt Brasiliens gegen Hitler-Deutschland und den damit verbundenen Feindlichkeiten gegenüber den Deutsch-Brasilianern. Vor allem der durch US-amerikanischen Einfluss verstärkte weltweite Wechsel der Raucherpräferenz von der Zigarre zur Zigarette brachte den Untergang des alten Unternehmens Dannemann, von dem nur noch der Markenname im Besitz von Herrn Koch in Liechtenstein übrig blieb. Erworben wurde der Name dann 1976 von der Schweizer Burger Söhne AG, die Produktionsstätten in Deutschland in Lübbecke bei Osnabrück und in Treffurt in Thüringen hat.

Durch die Initiative von Hans Leusen, dem Vizekonsul der Niederlande, wurden die zerfallenen Gebäude am Ufer des Río Paraguaçu wieder aufgebaut und zu dem Centro Cultural Dannemann gemacht, das heute die Kultur der Region fördert. Hier werden Qualitätszigarren mit dem passenden Namen "Artist Line" produziert.

In der hellen, lichtdurchfluteten Produktionsstätte sitzen 20 Frauen in zwei langen Reihen hintereinander an alten Holzpulten. Nach der Lehrzeit tragen sie ein weißes Kopftuch, die traditionell weiße bahianische Bluse und einen bunten Rock. An der Stirnseite steht ein kleiner Altar mit Blumensträußen und brennenden Kerzen. Alte Fotos und eingerahmte, schon vergilbte Zeitungsartikel hängen an den Wänden. Vorgelesen werden Zeitungen und Romane hier nicht mehr. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Einrichtung des Vorlesers in Spanien, Kuba und dem deutschen Bremen die Zigarrenroller zu den gebildetsten und politisch bewusstesten Arbeitern gemacht. Ebenso wenig werden die Zigarren auf den nackten Schenkeln der Arbeiterinnen gerollt. Dieser oft kolportierte Mythos entspringt einer Männerfantasie, in der Zigarren Phallussymbole sind. Die Herstellung ist unerotisch. Wie sagte noch der Zigarrenraucher und Begründer der Psychoanalyse Siegmund Freud?: "Eine Zigarre kann eben manchmal auch einfach nur eine Zigarre sein."

Das Rollen der Zigarren ist eine Kunst und verlangt viel Gefühl, denn ist die Zigarre zu fest gepresst, zieht sie nicht, ist sie zu locker, wird sie zu heiß. An einem Apparat, dem Drawmaster, wird der Zug kontrolliert. Die Tabakrolle aus Einlage und Umblatt wird nach einer 15-tägigen Trockenzeit im klimatisierten Lager mit dem Deckblatt (Capa) versehen, das das Aussehen bestimmt. Es muss besonders elastisch, schmiegsam und weich sein. Dannemann hat eigene Deckblattplantagen in Almeida und Capivari bei Cruz das Almas. Damit kommen alle drei Teile der Anatomie der Longfiller-Zigarren, die Einlage, das Umblatt und das Deckblatt, aus dem Recôncavo und entsprechen damit wie die klassischen Havanna-Zigarren dem Kriterium der "Puros". Wie diese sind sie auch handgebündelt, handgepresst und handgerollt: H. B. P .R (Hand Bunched, Pressed and Rolled.)

Nach einer Lagerzeit von etwa 30 Tagen bei 65 Grad Luftfeuchtigkeit werden die Zigarren sorgfältig nach Farbschattierungen sortiert, mit rot-weißen Bauchbinden versehen und in Zedernholzkisten verpackt. Per Flugzeug wird ein großer Teil der 35.000 monatlich produzierten Zigarren nach Deutschland und in die Schweiz geschickt.

Die Corona ist ein klassisches Zigarrenformat, das nach einer alten spanischen Zigarrenfabrik in Sevilla benannt ist. Die schon äußerlich sehr ästhetische Zigarre mit einem hellbraunen Deckblatt (Castanha) besitzt einen großvolumigen, zylinderförmigen Körper mit einem Durchschnitt von 19 mm Ringmaß, einem kugelrunden Kopf und einem abgeschnittenen Fuß, wie das Brandende genannt wird. Nach dem feierlichen Anzünden der Zigarre genießt man ohne zu inhalieren das schwere, würzige, weiche, etwas süßliche Aroma dieser Corona mit Tabak aus der Mata Fina Region, dem Herzen des Recôncavos. Der Fachmann lobt "den elastischen Zug, den festen, erdigen, sandelholzartigen Geschmack mit Süßetextur" dieses Meisterwerkes, in dem Form und Inhalt eine vollkommen Harmonie gefunden habe. Sie ist eine Corona der Schöpfung, die zugleich eine körperliche Beruhigung und geistige Angeregtheit vermittelt, also jene entspannte Euphorie, die die Zigarrenraucher so lieben.

taz Nr. 7553 vom 31.12.2004, Seite 30, 295 Zeilen (TAZ-Bericht), VON DIRK BRUNS




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