Geschicht Kubas - eine arbeit der Universidäd Wien

19.08.2007 20:33 (zuletzt bearbeitet: 19.08.2007 20:38)
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#1 Geschicht Kubas - eine arbeit der Universidäd Wien
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weiterunten: ökonom. und gesellschaftl. Situation in Kuba im Jahr 1959 und der Link http://www.lateinamerika-studien.at/cont...hichte-445.html



4.3.1 Kuba – von der Kolonie zur Halbkolonie
Kuba, die größte Insel der Karibik, verfügte über eine Sonderstellung im spanischen Kolonialreich. Einerseits gehörte es zu den wenigen Gebieten unter der Herrschaft der spanischen Krone, in welchem die ursprüngliche indianische Bevölkerung der Kolonisierung vollständig zum Opfer gefallen war. So etablierte sich in Kuba, im Gegensatz zum restlichen Spanisch-Amerika, eine Sklavenökonomie. Ab dem späten 18. Jahrhundert kam es zu einer sprunghaften Ausweitung der mit Sklaven bewirtschafteten Plantagenökonomie (Zucker, Tabak).Kuba erlangte als letztes Land des ehemaligen spanischen Kolonialreiches die Unabhängigkeit. Die Angst der Criollo-Elite vor einer Sklavenrevolution wie in Haiti (1804) ließ die Unabhängigkeitsbestrebungen erst in den Unabhängigkeitskriegen von 1868 bis 1876 und 1895 bis 1898 zu Tage treten. An der Spitze der Unabhängigkeitsbewegung stand José Martí (1853–1895).Am Ende des zweiten Unabhängigkeitskrieges intervenierten die USA militärisch und ersetzten die spanische Kolonialherrschaft durch eine US-amerikanische Besatzung. Mit dem Platt Amendment von 1898 ließen sich die USA das Interventionsrecht auf Kuba verfassungsmäßig verbriefen. Die 1902 formal erlangte Unabhängigkeit kann nur als abhängige Unabhängigkeit bezeichnet werden. Die USA intervenierten bis in die 1920er Jahre mehrfach, die Regierungen Kubas verfügten über keinen souveränen Handlungsspielraum. Der politische Status einer Halbkolonie spiegelte die im späten 19. Jahrhundert entstandene Dominanz der USA in Zuckeranbau und Verarbeitung sowie in allen weiteren Industrie- und Transportbereichen wider. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich ein wichtiges Element der Kubanischen Revolution: der gegen die USA gerichtete Nationalismus.Die strukturelle Deformation der kubanischen Ökonomie durch die nahezu ausschließliche Abhängigkeit von der Zuckerproduktion zeitigte auch politische Folgen. Als es ab Beginn der 1920er Jahre zu einem Preisverfall des Zuckers auf dem Weltmarkt kam, konnte die herrschende Oligarchie der politischen Instabilität nur durch die Errichtung einer Diktatur Herr werden. Die Diktatur des Generals Gerardo Machado (1925–1933) steht im direkten Zusammenhang mit intensiven sozialen Bewegungen in verschiedenen Bereichen der kubanischen



4.3.2 Die revolutionäre Krise von 1933
Das von der Zuckerproduktion abhängige Kuba sah sich ab den 1920er Jahren mit sinkenden Weltmarktpreisen konfrontiert. Der Druck sozialer Bewegungen und die allgemeine politische Instabilität führten zur Errichtung einer blutigen Diktatur unter General Gerardo Machado (1925–1933). Die ab 1929 eintretende Weltwirtschaftskrise zeitigte auf Kuba verheerende Wirkungen. Vor diesem Hintergrund kam es zu einem neuerlichen Aufflammen sozialer Bewegungen. Mehrere Streikwellen ab Ende der 1920er Jahre kulminierten im Frühjahr 1933: Zu den Streiks in der Zuckerindustrie kamen Streikbewegungen im Transportwesen, im Kaffee- und Tabaksektor hinzu. Die Zuckerarbeiter – ein Landproletariat, das ein Drittel der kubanischen Beschäftigten ausmachte – begannen, die auf dem Land angesiedelten Zuckermühlen zu besetzen. Sie gingen dabei auch zu Selbsthilfe- und Selbstverwaltungsmaßnahmen über. Es kam zu regelrechten Rätebildungen; die Streikwelle hatte sich zu einer revolutionären Situation ausgeweitet.Die städtischen Gewerkschaften befanden sich zu diesem Zeitpunkt unter kommunistischer Hegemonie. Die kommunistische Partei war 1925 gegründet worden, jedoch bald in den Sog der Stalinisierung der Kommunistischen Internationale geraten. Zu den politischen Folgen der Stalinisierung gehörte die Doktrin der Zusammenarbeit mit der so genannten fortschrittlichen nationalen Bourgeoisie. Eine soziale Revolution galt dabei nicht mehr als unmittelbares Ziel des Handelns. Dementsprechend kollaborierten die kommunistischen Führer der Gewerkschaft mit dem Diktator Machado und versuchten die Streiks zu beenden. Die Dynamik der Bewegung von 1933 wies jedoch in eine andere Richtung. Neben den Streiks mobilisierten sich die Studenten. Außerdem griff eine Meuterei in der Armee um sich. Unter diesem Druck musste Diktator Machado zurücktreten.Die darauf installierte Reformregierung Ramón Grau San Martín (1887–1969) wurde von den USA jedoch nicht anerkannt. Nachdem die Streikbewegungen an Dynamik verloren hatten, putschte sich der Offizier Fulgencio Batista (1901–1973) an die Macht und ließ die Reste der sozialen Bewegungen niederschlagen. Die erste Diktatur Fulgencio Batistas währte von 1933 bis 1940. Von 1940 bis 1944 regierte er als gewählter Präsident.

4.3.3.2 Das Jahr 1958
Die von Fidel Castro Ruz (1926– ) angeführte Movimiento 26 de Julio (=M-26-7) verfügte über zwei Schwerpunkte: einerseits den Guerillakampf in der abgelegenen Sierra Maestra, andererseits den städtischen Kampf.Die städtischen Zellen der M-26-7 führten Propagandaaktionen und Attentate durch, begingen Sabotageakte und legten Bomben. Dieser urbane Kampf war im Allgemeinen viel blutiger und opferreicher als der Guerilla-Kampf Fidel Castros in den Bergen der Sierra Maestra. Ein Großteil der sich stetig erhöhenden Repression des Batista-Regimes richtete sich gegen diese städtischen AktivistInnen. Die Guerilla in den Bergen verfügte bis Mitte 1958 nur über wenige Kämpfer, in etwa 200 bis 300 Mann. Dass es sich bei dieser Guerilla um eine Bauernguerilla gehandelt haben soll, kann als Mythos bewertet werden. Wie schwierig ein präzises Bild des Anteils von Bauern an der Guerilla ist, zeigen die unterschiedlichen Schätzungen in der Literatur. Die Angaben variieren zwischen 10% und 70%. Die höheren Zahlen verlassen sich dabei auf Selbstdarstellungen der Revolution und konzentrieren sich auf die Endphase des Kampfes, als die Anzahl der Kämpfer sprunghaft anstieg. Der Anteil bäuerlicher Kämpfer darf jedoch nicht mit der Unterstützung der in den Aktionsgebieten der Guerilla lebenden Bauern verwechselt werden. Diese Unterstützung war durchaus hoch, zumal es in der Sierra Maestra mit ihren verstreut lebenden Bauern eine Tradition des sozialen Banditentums gegen Großgrundbesitzer gab.Fidel Castro und seine Guerilla wurden bis Anfang 1958 von der kubanischen Armee kaum behelligt. Das Regime nahm die Bedrohung zuerst nicht ernst, die militärischen Konfrontationen gingen selten über Scharmützel hinaus. Das gab der Guerilla Zeit, sich nach den prekären Anfängen im Jahre 1957 zu reorganisieren.Im April 1958 versuchte die M-26-7 einen Generalstreik auszurufen. Bei diesem Generalstreiksversuch kam der dirigistische Charakter der M-26-7 plastisch zum Ausdruck. Der Generalstreik wurde konspirativ organisiert und der Arbeiterschaft von außen anbefohlen. Das klägliche Scheitern dieses Generalstreiksversuchs machte den geringen Bezug der M-26-7 zu den organisierten sozialen Bewegungen, vor allem dem Proletariat deutlich. Der Misserfolg stärkte Fidel Castro und die als sierras (Bergler) bezeichnete Fraktion der Guerilla-Kämpfer innerhalb der M-26-7. Denn das Scheitern des Streiks schien der Vorstellung Recht zu geben, dass ein städtischer, auf Massenaktionen basierender Kampf ein ungangbarer Weg gegenüber den bewaffneten Aktionen in den Bergen sei. In den (teils heftigen) Auseinandersetzungen innerhalb der M-26-7 betonte Fidel Castro zunehmend den Vorrang des Guerilla-Kampfes vor den Aktionsformen der städtischen Teile der Bewegung.Durch die Repressionsexzesse und eine gescheiterte Offensive gegen die Guerilla Anfang 1958 verlor Batista die Unterstützung beinahe aller Teile der Bevölkerung. Auch die USA entzogen ihm die Unterstützung und unterbanden ab März 1958 alle Waffenlieferungen. Die Armee zeigte zunehmend Verfallserscheinungen. Trotz der geringen Verbindung zu großen Teilen der Bevölkerung – symbolisch und propagandistisch gelang es Fidel Castro im Verlaufe des Jahres 1958, sich und seine Bewegung an die Spitze des Widerstandes gegen Batista zu setzen. Der klare Führungsanspruch der Guerilleros, das kompromisslose Auftreten gegen Batista und die militärischen Erfolge gegen seine Armee verschafften den bärtigen Kämpfern aus den Bergen große Unterstützung und ein hohes Prestige.Ab dem Sommer 1958 verließen einige Guerilla-Einheiten die Berge Ostkubas und rückten unter der Führung Ernesto "Che" Guevaras (1928–1967) und Camilo Cienfuegos Richtung Zentral-Kuba vor.


4.3.1.1 Kuba: Elendshöhle oder Prosperität?
Der Ausbruch der Kubanischen Revolution war für viele damalige Beobachter durchaus überraschend gekommen. Oberflächlich gesehen, zeigte Kuba zur Zeit der Kubanischen Revolution ökonomisch und sozial-strukturell nicht das Bild einer unterentwickelten oder verelendeten Gesellschaft. Im Gegenteil, Kuba gehörte 1959 zu den entwickelsten Ländern Lateinamerikas (4. Platz beim Pro-Kopf-Einkommen, hoher Grad an Proletarisierung, relativ hohe Alphabetenrate, über 50% Verstädterung). Dies war jedoch nur die eine Seite der kombinierten und ungleichzeitigen Situation in Kuba.Auf der anderen Seite prägte die ungleiche Verteilung von Einkommen und Besitz das Bild. Hinzu kam die infrastrukturelle Unterversorgung großer Teile der Bevölkerung, vor allem der Landbevölkerung. Darüber hinaus wog die strukturelle Deformation vor allem in Krisenzeiten schwer. Die kubanische Ökonomie war eine Ein-Frucht-Wirtschaft: Die Dominanz des Zuckers bedingte eine starke Weltmarkt-Abhängigkeit (85% der Exporteinnahmen in den 1950ern). Darüber hinaus produzierte der Zucker eine jährlich wiederkehrende zyklische Arbeitslosigkeit – die 600.000 meist landlosen Zuckerarbeiter, die ein Drittel der Beschäftigten in Kuba ausmachten, waren während acht Monate im Jahr arbeitslos. Kuba verfügte somit über ein riesiges Landproletariat, das in den sozialen Bewegungen eine tragende Rolle spielte.Zur strukturellen Deformation gehörte ferner die Dominanz von US-Kapital in der Zuckerindustrie, im Transport, in der Telekommunikation und im Bergbau. Während der Anteil von US-Kapital in der Zuckerindustrie ab den 1950er Jahren im Abnehmen begriffen war, erreichte er in den anderen genannten Bereichen im Jahre 1959 bis zu 90%. Der in der Dependenztheorie argumentierte surplus-Transfer war in Kuba eine ökonomisch bestimmende Größe. Darüber hinaus fungierte Kuba als Urlaubsparadies für US-Amerikaner – inklusive einer ausgedehnten Glücksspiel- und Sextourismusindustrie, die vornehmlich von nicht-legalen US-amerikanischen und kubanischen Großunternehmen betrieben wurde (Mafia).

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31.08.2007 10:40
avatar  elcrocoloco ( gelöscht )
#2 RE: Geschicht Kubas - eine arbeit der Universidäd Wien
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elcrocoloco ( gelöscht )

Der Bericht gefällt mir.


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31.08.2007 10:44
avatar  don olafio ( gelöscht )
#3 RE: Geschicht Kubas - eine arbeit der Universidäd Wien
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don olafio ( gelöscht )

Zitat von Mogli100
von nicht-legalen US-amerikanischen und kubanischen Großunternehmen

Dieser Umschreibung ist ein gewisser Charme nicht abzusprechen.

Don Olafio


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