ADIOS LATEINAMERIKA

18.11.2004 07:46 (zuletzt bearbeitet: 18.11.2004 07:48)
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ADIOS LATEINAMERIKA

Seit über zehn Jahren wächst Chiles Wirtschaft beständig - Armutsquote deutlich gesenkt

Die Stadt Santiago hat sich gut vorbereitet: Taxifahrer erhielten Schnellkurse in Englisch, der Freitag wurde zum Feiertag erklärt, die Restaurants decken sich mit den immer exzellenten Meeresfrüchten ein und Nachtklubs holten weibliche Verstärkung aus Argentinien herbei. Bis Sonntag kommen etwa 5000 internationale Gäste zum Gipfeltreffen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) nach Chile, darunter so illustre wie die Staatschefs Bush, Putin, Hu Jintao und Koizumi, weniger prominente Regierungschefs wie jene von Australien oder Korea nicht zu vergessen.

Noch nie ist Chile wegen eines positiven Anlasses in einem so hellen Rampenlicht gestanden, und es will sich bei dieser Gelegenheit von seiner besten Seite präsentieren. Die Errungenschaften des Landes beschränken sich nicht auf die moderne U-Bahn in Santiago oder eine hervorragende Fluglinie. Präsident Ricardo Lagos, der dritte Regierungschef, den das Mitte-links-Bündnis «Concertacion» seit 1990 stellt, kann ansehnliche wirtschaftliche, soziale und politische Fortschritte vorweisen.

«So wie der Streber ...»
Aber genau das ist in gewisser Hinsicht ein Problem. «Aus irgendeinem soziokulturellen Grund sind wir das brave Kind in der Nachbarschaft», schrieb der viel in Lateinamerika reisende Geschäftsmann Mario Waissbluth in der Zeitung «La Tercera». «So wie der Streber, der alle Hausaufgaben macht, sind wir allen anderen lästig.» Mit einem aufgrund ihres Erfolges manchmal zur Arroganz tendierenden Auftreten haben sich die Chilenen in der Region den Ruf eingehandelt, hochmütig zu sein. Diese Rolle hatten bisher die Argentinier eingenommen. Während diverse Krisen Südamerika ökonomisch und sozial um Jahre zurückwarfen, wächst in Chile die Wirtschaft seit 1990 beständig. «Adios La- teinamerika», frohlockte der rechte Oppositionsführer Joaquin Lavin in einem Essay, denn viel mehr Chilenen bezahlen ihre Steuern und halten die Gesetze ein, als dies die Leute in den Nachbarstaaten tun. Im Korruptions-Ranking der Organisation «Transparency International» schneidet Chile besser ab als Frankreich oder Spanien. Von den Industrieländern wird Chile gern als Musterbeispiel dafür präsentiert, wie ein Schwellenland mittels Marktöffnung und des Freihandelsabkommens (mit den USA und der EU) reicher werden kann. Zwar ist das Land nach wie vor sehr von den Kupferexporten abhängig; andere bewusst forcierte Exportartikel wie Obst, Wein und Lachs ergänzen aber mittlerweile das Angebot. Ausländische Investoren schätzen die politische Stabilität, und mehrere internationale Firmen haben ihren regionalen Hauptsitz aus anderen Ländern nach Santiago verlegt.

Es gibt noch viel zu tun
Mit seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik hat es das Mitte-links-Bündnis geschafft, seit 1990 die Armutsquote kontinuierlich von etwa 40 auf knapp 19 Prozent zu reduzieren. In Argentinien ist sie im selben Zeitraum deutlich angestiegen, derzeit auf etwa 48 Prozent. Ein Wermutstropfen ist allerdings, dass zwischen Reich und Arm eine riesige Kluft besteht, die wächst, statt sich zu verringern. Eine «unmoralische Einkommensverteilung» nennt Mario Waissbluth das und nennt weitere Gründe, warum sich die Chilenen nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen sollten: Noch erziele Costa Rica ein höheres Pro-Kopf-Einkommen und biete Kuba eine bessere Bildung. Auch Ricardo Lagos Weber, der Sohn des Präsidenten und Organisator der Apec-Konferenz, macht ungelöste Probleme aus. Chile «kann keine Enklave der Modernität sein, die von Armut und Instabilität umgeben ist». Dies werde Konsequenzen haben.

Cornelia Mayrbäurl, Buenos Aires

http://www.tagblatt.ch/index.jsp?ressort...7925&akt=senden


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