SEGELNDES KLASSENZIMMER - Mit Fidel auf die Zielgerade

13.05.2007 10:59 (zuletzt bearbeitet: 13.05.2007 11:01)
#1 SEGELNDES KLASSENZIMMER - Mit Fidel auf die Zielgerade
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In 190 Tagen um die Welt: 30 deutsche Austauschschüler durchquerten an Bord des Dreimasters "Thor Heyerdahl" den Atlantik. Jetzt sind sie zurück. Doch bevor es wieder nach Hause ging, besuchten die Teenager noch ein Schule auf Kuba - überall "la Revolución."


Fast ein halbes Jahr waren wir unterwegs auf hoher See. Wir haben Stürme erlebt und Flauten, schrieben Klausuren auf Deck und haben gelernt, die Seekrankheit zu überstehen. Bevor sich unser segelndes Klassenzimmer aber endgültig auf den Heimweg begab, machten wir noch einmal Station auf Cuba.


Mathe maritim: 190 Tage Schule auf See
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Wir besuchten das Friedrich-Engels-Internat in Havanna. Die Hermann-Lietz-Schule auf Spiekeroog, die den sechsmonatigen Törn in die Karibik seit 15 Jahren organisiert, hatte das für uns eingefädelt. Im Unterricht stand Fernsehen auf dem Programm. Per Video wurde den Schülern englische Grammatik und spanische Literatur eingetrichtert. Die monotonen Filmchen stellt die Regierung. Aufgabe der Lehrer ist es einzig und allein, für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Aber das war gar nicht so einfach: Denn die Schüler interessierten sich weniger für englische Grammatik als viel mehr für die blonden Mädels der Thor Heyerdahl. Und so wirkten die Lehrer doch ganz erleichtert, als die Lautsprecher zur Pause heulten.

Etwas planlos bewegten wir uns durch das Schulgebäude. "Hasta la victoria siempre! Immer bis zum Sieg", mag es wohl einigen von uns durch den Kopf gegangen sein. Und wie rief Che Guevara noch? "Viva la Revolución!"

Nach dem Unterricht begaben wir uns auf eine Tour durch die Stadt. Plötzlich hörten wir ein leises Winseln: Vor einem heruntergekommenen Haus lag ein verdreckter Welpe. Mit leicht verklebten Augen blicket er erschöpft zu uns hoch. Wir reichten ihm Kekskrümel hin. Er tappste auf uns zu, doch seine Versuche, die Stückchen mit der Schnauze zu schnappen, scheiterten. Ausgelaugt von den Strapazen sank er in sich zusammen. Erschrocken sahen wir uns an und überlegen einen Tierarzt zu rufen, doch es war Sonntag. Fidel Castro sah uns zu - über uns thronte sein entschlossenes Gesicht an einer Häuserwand.

"Viva la Revolución!"

Unser Cuba-Aufenthalt endete mit einem Besuch im Staatstheater. Neugierig saßen wir auf unseren Logenplätzen, den Blick erwartungsvoll zur Bühne gerichtet. An dem Abend wurde klassisches Ballett aufgeführt. Wir nutzten die Gelegenheit, uns schick zu machen, was auf der Thor zur Nebensächlichkeit geworden ist. Kerzengrade posierten wir in unseren Stühlen; bedacht darauf, Eleganz auszustrahlen, beobachteten wir die Tänzerinnen. Die Ballerinas trugen weite Flamencoröcke, die sie verführend um ihre Beine wirbelten. Von anmutig über humorvoll-plump bis revolutionär-dramatisch war alles dabei.

Am Abend war dann noch Party-time angesagt! Vor unseren Augen türmte sich ein Tisch mit köstlichem Essen. Geplagt vom alltäglichen Futterneid auf hoher See drängelten sich die Schüler der Thor Heyerdahl nach vorne und starrten begierig auf die bereitgestellten Ananasringe. Nach einem kurzen Willkommensgespräch mit den Mitgliedern des Comité de la Defense de la Revolución wurde das Buffet eröffnet. Da ließen wir uns nicht lumpen und hamsterten das Essen auf Tellern. Okay, man muss das auch so sehen: Es war eine Vorbereitung auf harte Zeiten im Nordatlantik.

Vollgefressen fläzten wir uns auf den Bürgersteig. Ein kubanischer Junge zückte Zettel und Stift und fing an zu zeichnen. Dabei schaute er immer wieder auf. "Malt der uns? Das ist ja nett!" Jedem reichte er eine Karikatur. Ulf ähnelte einem Käfer, Thomas einem Lama und Christian einem wuscheligen Teddybären. "Ääh, gracias!"

Es war ein geiler Abend - und was wissen wir jetzt über die Gemeinschaft? Zu der Verteidigung des Kommunismus gehören so gut wie alle Kubaner, Ausnahmen sind Kriminelle und Geisteskranke. Fidel ist hier überall präsent, und so kam es, dass wir zum Abschied selbst gebastelte Fächer mit seinem Foto geschenkt bekamen.

Von Britta Neumann und Leah Schroedter

http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausla...,480895,00.html

saludos
hermanolito


Todo hermano se interesa por una hermana, sobre todo si esa hermana es de otro.

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13.05.2007 12:11
#2 RE: SEGELNDES KLASSENZIMMER - Mit Fidel auf die Zielgerade
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Rey/Reina del Foro

Zitat von hermanolito
Im Unterricht stand Fernsehen auf dem Programm. Per Video wurde den Schülern englische Grammatik und spanische Literatur eingetrichtert. Die monotonen Filmchen stellt die Regierung. Aufgabe der Lehrer ist es einzig und allein, für Ruhe und Ordnung zu sorgen.

Hervorragendes Bildungssystem...

--
La vida debería ser amarilla... amar y ya.

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13.05.2007 12:22
#3 RE: SEGELNDES KLASSENZIMMER - Mit Fidel auf die Zielgerade
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Forums-Senator/in

Zitat von ElHombreBlanco

Hervorragendes Bildungssystem...

Klar ist das problematisch, aber immer noch besser, als wenn die Jugendlichen den ganzen Tag auf der Straße rumlungern und auf dumme Gedanken kommen.

_______

„Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.“
Winston Churchill

¡Visca Barça! [img]http://www.soccer24-7.com/forum/images/smilies/BarcaBarca.gif[/img]
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13.05.2007 12:29 (zuletzt bearbeitet: 13.05.2007 12:30)
#4 RE: SEGELNDES KLASSENZIMMER - Mit Fidel auf die Zielgerade
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Rey/Reina del Foro
Zitat von chavalito
aber immer noch besser, als wenn die Jugendlichen den ganzen Tag auf der Straße rumlungern und auf dumme Gedanken kommen.

Ich war bisher der Meinung, Bildung diene einem anderen Zweck, als nur als reine Beschäftigungstherapie für Heranwachsende...
--
La vida debería ser amarilla... amar y ya.

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13.05.2007 12:48
#5 RE: SEGELNDES KLASSENZIMMER - Mit Fidel auf die Zielgerade
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Forums-Senator/in

Zitat von ElHombreBlanco
Ich war bisher der Meinung, Bildung diene einem anderen Zweck, als nur als reine Beschäftigungstherapie für Heranwachsende...
Es gibt nur halt manchmal im Leben Situationen, da musst du aufgrund widriger Umstände und Rahmenbedingungen versuchen, das Beste aus einer besch.... Situation zu machen.
Und wenn halt viele ausgebildete Lehrer es (verständlicherweise) vorziehen, als Hotelbedienstete oder Taxifahrer zu arbeiten, kannst du sagen: "Ok, niemand will Lehrer werden. Also, liebe Schüler, raus auf die Straße, macht was ihr wollt".
Oder du kannst als kleineres Übel eben die von dir kritisierte "Beschäftigungstherapie für Heranwachsende" anbieten.

Natürlich könnte man auch das gesamte Gesellschaftssystem gründlich reformieren oder umstürzen......

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13.05.2007 13:17
avatar  Socke
#6 RE: SEGELNDES KLASSENZIMMER - Mit Fidel auf die Zielgerade
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Top - Forenliebhaber/in

ich fand eigentlich das:

In Antwort auf:
Zu der Verteidigung des Kommunismus gehören so gut wie alle Kubaner, Ausnahmen sind Kriminelle und Geisteskranke.


viel beeindruckender.

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Have Space Suit, will travel.

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13.05.2007 13:33
avatar  ( Gast )
#7 RE: SEGELNDES KLASSENZIMMER - Mit Fidel auf die Zielgerade
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( Gast )

einfach nur peinlich der Bericht. Und auch hier wieder mal nur der arme "Strassenköter" der in den Hirnen hängenbleibt.


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15.05.2007 00:01
avatar  Jogni
#8 RE: SEGELNDES KLASSENZIMMER - Mit Fidel auf die Zielgerade
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spitzen Mitglied

Auf der Suche nach "English for you" mit Diana Loeser fand ich dies:

http://hus-fl.piranho.com/ddr-tv/tv-diverse.htm

„DDR-Bildungsfernsehen“
Bereits seit 1961 strahlte das Fernsehen der DDR Bildungsprogramme sowohl für die Schule als auch für die Erwachsenenbildung aus – zunächst unter dem Titel „Fernsehakademie“. Für den Gebrauch im Schulunterricht wurden dabei mit Einzelsendungen oder Sendereihen (letztere vornehmlich zum mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht) nahezu alle Fächer unterstützt.
Seit Mitte der 70er Jahre erhielt das Bildungsfernsehen für die Schule eine erweiterte Konzeption. Mit neugestalteten Sendungen von 20-25 Minuten Dauer wurden so ab 1976/77 nahezu alle Unterrichtsfächer für viele Jahrgangsstufen mit mehreren Sendungen ergänzt und gleichzeitig auf die Stundenpläne und Lehrpläne abgestimmt. Insbesondere das 2. Programm sendete von Montag-Freitag ab morgens zahlreiche Sendungen des Bildungsfernsehens (etwa 6-12 pro Tag). Sie konnten dadurch im Schulverlauf direkt eingeschaltet und zur medialen Ergänzung des Unterrichts verwendet werden. Jede Sendung wurde wöchentlich 2-10mal gesendet (teilweise auch im 1. Programm zwischen 7.55 und 9.10 Uhr); einige Sendungen verblieben über mehrere Wochen im Sendeangebot.
Auch die Sprachlehrgänge „Wir sprechen Russisch“ (9./10. Klasse) und „English for you“ (7./8. Klasse) gehörten fortan zum Angebot des DDR-Bildungsfernsehens und wurden pro Jahrgangsstufe 4mal wöchentlich im 1. und 2. Programm ausgestrahlt.
Um die Sendungen für Pädagogen im Unterricht einsetzbar zu machen, sendete das 2. Programm in den Nachmittagsstunden Vorabsendungen der in den kommenden Wochen gesendeten Folgen.
Sehen Sie in der folgenden Übersicht eine Auswahl der Sendungen des DDR-Bildungsfernsehens.
http://hus-fl.piranho.com/ddr-tv/tv-bildung.htm


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15.05.2007 00:43
avatar  don olafio ( gelöscht )
#9 RE: SEGELNDES KLASSENZIMMER - Mit Fidel auf die Zielgerade
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don olafio ( gelöscht )

"English for you" ist Kult der Extraklasse! Ich kenne Leute, die können noch heute die herrlich trashigen Sketche wortgetreu nachspielen (Spitzenreiter "The Lemon-Squeezer" - oder so ähnlich)

Don Olafio


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