Castro und Camouflage

11.02.2005 00:16
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Rey/Reina del Foro

Castro und Camouflage

Wie unpolitisch ist Amnesty?

»Castro« – ein Titel, der scheinbar alles sagt. So heißt ein Film von Philip Selkirk, der vor zwei Jahren gedreht wurde und bereits im Bayrischen Rundfunk lief. Kürzlich zeigte ihn Amnesty International (ai) in der Hamburger Uni, der Filmemacher selbst war auch anwesend. Der Raum war plakatiert mit ai-Postern gegen Folter und Menschenrechtsverletzungen. Zentral das Plakat, das auf den Veranstalter hinwies: »KO Cuba/Haiti.« Kuba und Haiti, gleichgestellt. Wünscht ai Kuba und Haiti den Knock out? Aber halt, »KO« bedeutet in Wirklichkeit »Koordinationsgruppe«, wie ai-Aktivist Jerome Cholet mitteilt.

Selkirks Film zeigt historische Szenen aus Castros Studentenleben, aus der Zeit der Batista-Dikatur, und dokumentiert beeindruckende Aussagen von Leuten, die dieses Elend noch erlebt haben. Man sieht ferner Regierungsvertreter und Veteranen des Befreiungskampfes. Viele der Aufnahmen stammen aus dem Filmarchiv des kubanischen Staatsrates. Jede dieser Sequenzen konterkariert Selkirk durch Interviews mit Systemgegnern in Kuba und Miami. Später sagt er selbst: »Ich will Castro weder feiern noch verdammen. Ich habe keinen politischen Ansatz. Die Realität auf Kuba ist zu komplex, als daß man sie schnellen Werturteilen unterwerfen könnte. Einerseits muß dort niemand hungern, andererseits werden sogenannte Verräter ohne Gerichtsverhandlung exekutiert. Der Zuschauer soll sich selbst ein Bild davon machen.« Politisch ist, wenn man sagt, man wäre nicht politisch. Er selbst nennt es den Kampf um Objektivität. Immerhin sagt in seinem Film ein Interviewpartner, der am Überfall von CIA und Exil-Kubanern 1961 in der Schweinebucht beteiligt war: »Wäre ich arm, würde ich lieber in Kuba leben als in irgendeinem anderen Land Südamerikas«.

Cholet fragte ihn: »Die Organisation ›Reporter ohne Grenzen‹ hat Kuba gerade als weltgrößtes Gefängnis für Journalisten bezeichnet, weil dort 26 Reporter inhaftiert sind. Wie läßt sich in einem solchen Land überhaupt recherchieren?« Selkirk: »Man braucht Kontakte, Kontakte, Kontakte, eine Handvoll Dollar und die Fähigkeit zur Camouflage. Bei meinen Recherchen in Deutschland lernte ich z.B. die Tocher von Che Guevara kennen, sie hat mich an Roberto Chile weitervermittelt, Castros persönlichen Kameramann.« Der habe ihm alle Türen geöffnet.

Camouflage – so verfährt auch Selkirk mit seinem Objektivismus. Was soll daran objektiv sein, Castro als brutalen Willkürherrscher zu bezeichnen? Oder sogar zu behaupten, dieser habe auch mit der Ermordung Che Guevaras zu tun gehabt? Eine junge Frau fragt Selkirk ungläubig, welche Quellen und Beweise er dafür habe? Selkirk entgegnet, das mit Guevara glaube er dann vielleicht doch nicht. Klare Sache: Objektivität hat bei ihm viel mit Glauben zu tun. Interessanterweise glaubte Selkirk früher, er könnte auf Immobilien in Kuba spekulieren. Doch der Zusammenbruch des Systems habe ihm zu lange gedauert. Da sei er dann auf die Filmidee gekommen. Ein makabrer Witz? Doch Selkirk und Cholet bleiben ganz ernst. Im Internet ist zu lesen: Selkirk, 38 Jahre alt, ist Betriebswirt und war Manager in der Immobilienbranche in Berlin.

Selkirk sieht sich am Anfang seiner Karriere. Cholet fragt ihn: »Wohin drängt es Sie – nach Castro?« Selkirk: »Zum Beispiel in die arabische Welt. Dort gibt es für Journalisten noch einiges zu tun«.

http://www.jungewelt.de/2005/02-10/023.php

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