#1 Bemerkungen zu Kuba-Reise 18.10. - 02.11.2007 von Pille 03.11.2007 20:52

1. Zoll Havanna.
Die Passkontrolle verlief derart schnell und ohne die übliche Fragerei, dass ich beim Passieren des Klapptürchens den Eindruck hatte, dass hier wohl ein Irrtum vorliegen müsse.
Die Gepäcksausgabe funktionierte nicht. Zwar hatte ich nach einer Stunde und zwanzig Minuten meinen Koffer in den Händen, aber ca. 100 - 150 Passagiere warteten weiterhin auf ihr Gepäck.
Beim Durchschreiten der Zollkontrolle wurde ich zwar von einer Aduanera mit scharfem Blick gemustert, durfte aber ohne Kofferverwiegung passieren. Auch das wunderte mich, weil mein Gesicht bei Zöllnern normalerweise kein Vertrauen hervorruft.

2. Hotel Deauville
Das mir zugeteilte Zimmer (Nacht 18./19. Oktober) stand ca. 1 cm tief unter Wasser. Ich wurde umplatziert, ohne dass jemand von uns mit der Wimper gezuckt hätte. Solche Sachen können ja passieren!
Beim zweiten Aufenthalt (Nacht 01./02. November, Einchecken zwei Uhr morgens) wurde mir ein Zimmer zugeteilt, welches sich in einem Korridor ohne Licht befand. Es herrschte totale Finsternis. Ich musste die Türe mit der Taschenlampe suchen. Dafür wurde ich mit einer Suite kompensiert: Ein Raum mit Polstergruppe ums Fernsehgerät, separates Schlafzimmer; zwei separate Badezimmer. Die Matratze des Bettes war übrigens tadellos.
Irgendwie liebe ich dieses Hotel.

3. Inlandflug Havanna - Santiago
Die 20 kg Gewichtslimite wurde strikt kontrolliert. Um fünf Uhr morgens war allerdings mein Adrenalinspiegel und die Streitlust auf einem Tiefpunkt, sodass ich die 5 CUC ohne Widerspruch zahlte. Das Handgepäck hat niemanden interessiert.
Neuerdings sind die beiden Röntgengeräte fürs Handgepäck nicht mehr völlig sinnlos hintereinander platziert (mit zwei Kontrollen innerhalb von 10 Metern), sondern nebeneinander, wie es sich gehört. Also nur noch 1 x filzen.
In der Wartehalle spielte das Fernsehgerät ein Werbe-Video für wohlhabende Touristen:
5-Sterne-Hotelzimmer, üppigste Self-Service-Menus (buchstäblich Berge an Essen); Swimming Pools und Jacuzzis vom Feinsten; Luxusyachten; Touristen, welche das Leben in einem Top-Ferienort in vollen Zügen geniessen.
Für die Kubaner, welche hier auf ihren Flug warteten, sozusagen ein Blick auf die andere Seite der Mauer. Ich fragte mich, was diese Leute angesichts des schon fast aufdringlich zur Schau gestellten Luxus wohl denken.
Flug nach SCU mit einer dreistrahlingen Yak-42. Ich stellte fest, dass der Unterschied zwischen den Propeller-Antonovs und der Yak-42 darin besteht, dass bei den Antonovs die Wolkenbildung in der Kabine unter der Decke stattfindet, währenddem die Yak Bodennebel bildet. Das heisst, die Passagiere stiefeln knietief durch Nebelschwaden, welcher unter den Sitzen hervorquellen. Immerhin: der ängstliche Passagier wird per Lautsprecher-Durchsage darauf hingewiesen, dass dieses Phänomen harmlos ist.

4. El Cobre
Ich habe gesucht und gesucht, aber Guzzis Eheringe nirgends gefunden. Weder im Erdgeschoss rechts (Tisch für die politischen Gefangenen; daneben Schaukasten mit Opfergaben von Baseballspielern; Wandvitrinen mit diversen Memorabilien), noch links (dito Memorabilien, darunter schon auch ein Paar Eheringe, aber die waren nicht angeschrieben und ausserdem offensichtlich schon Jahrzehnte alt. Und im ersten Stock hat es bloss tonnenweise verwelkende Blumenarrangements.

5. La Finca del Porvenir
Ich möchte diesen Ort für einen geruhsamen Tag empfehlen. Es handelt sich um ein Schwimmbad , gespiesen mit Wasser aus einem Bergbach, der von der Gran Piedra herunterkommt. Die Anlage ist kaum grösser als ein Fussballfeld und besteht aus besagtem Pool inmitten prächtiger Vegetation mit abgeschabten aber sauberen Plastikliegen sowie Tischen und Stühlen unter weit ausladenden schattigen Bäumen. Es gibt zu Essen und zu Trinken.
Das Wasser hat eine hellgrüne Farbe, weil der Pool nicht wie bei uns üblich blau angemalt ist, und weil es eben frisches Bachwasser ist. Das will aber keineswegs heissen, dass das Wasser schmutzig wäre! Und wer dort seine Runden dreht, darf durchaus damit rechnen, dass ihm mal eine Libelle um den Kopf schwirrt.
Dieser Ort liegt an der Strasse nach Baconao, nach der Granjita Siboney, aber noch vor dem Dinosaurier-Park. Der Abzweiger nach links wird mit einem hölzernen Wegweiser "Finca del Porvenir - 1 km - Paraiso Natural" signalisiert. Ich habe für den Taxi hin und zurück 30 CUC bezahlt, dazu Eintritt 2 CUC pro Person.
Wer Menschenmassen nicht mag, vermeide Samstag/Sonntag. Ich wählte einen Montag und teilte die Anlage mit zwei kubanischen Familien sowie einem Uralt-Yuma mit seiner kubanischen Teenager-"Enkelin".

6. Friedhof Santa Ifigenia, Santiago de Cuba
Dieser Friedhof wird wohl bei vielen Santiago-Reisenden als Ausflugsziel bekannt sein. Zwei Bücher haben mich zum Besuch des Friedhofs veranlasst: Erstens "Herr der Hörner" von Matthias Politycki (bereits hier im Forum besprochen) und "Trás las huellas de Napoleón en Santiago de Cuba", welches die Geschichte des letzten Arztes von Napoleon in "forma novelada" erzählt. Dieser Arzt liegt eben in Santa Ifigenia begraben.
Uebrigens: ich habe das Buch in einer Peso-Buchhandlung an der Enramada gefunden; daneben lag das Werk "Discursos y documentos de E.Honecker", auf dessen Erwerb ich aber verzichtet habe.
Sehenswert fand ich das Mausoleum von José Martí sowie die dortige halbstündliche Wachablösung durch Soldaten in Parade-Uniformen und zackigem Stechschritt.
Wer sich etwas weg von den üblichen Pfaden bewegt, findet auch die in "Herr der Hörner" beschriebenen Gruften (allerdings geschlossen).
Wer nicht allzu gehfaul ist, kann den Friedhof zu Fuss erreichen: Ich habe ihn in 35 Minuten ab Plaza Dolores erreicht.

Ich hoffe, mit diesen Bemerkungen zukünftigen Kuba-Reisenden einige nützliche Informationen vermittelt zu haben.

#2 RE: Bemerkungen zu Kuba-Reise 18.10. - 02.11.2007 von seizi 03.11.2007 21:12

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Zitat von Pille

Beim Durchschreiten der Zollkontrolle wurde ich zwar von einer Aduanera mit scharfem Blick gemustert, durfte aber ohne Kofferverwiegung passieren. Auch das wunderte mich, weil mein Gesicht bei Zöllnern normalerweise kein Vertrauen hervorruft.





Wie sieht wohl ein Gesicht aus, dass bei Kubanischen Zöllnern Vertrauen hervorruft?

#3 RE: Bemerkungen zu Kuba-Reise 18.10. - 02.11.2007 von das unbekannte Mitglied 03.11.2007 21:39

Danke für den informativen Bericht.
Da mich die Nr.5 gleich angesprochen hat und ich mir dachte, dass ich das mal mit ins Auge fassen sollte, habe ich gleich mal nen Link gesucht und gefunden:

La Proseta - ein natürlich gespeistes Freibad

#4 RE: Bemerkungen zu Kuba-Reise 18.10. - 02.11.2007 von Pille 04.11.2007 11:20

Ja, genau das ist es!
Erstaunlich nur, dass dieser Ort im Lonely Planet Reiseführer, der ja sonst keine Bruchbude unerwähnt lässt, nicht vorkommt.

#5 RE: Bemerkungen zu Kuba-Reise 18.10. - 02.11.2007 von cabeza mala 04.11.2007 23:06

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wirklich schöne location!