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Kubanische Nachtwachen
08.02.2005 19:35

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Kubanische Nachtwachen
José Lezama Lima öffnet die Türen zum Unendlichen

Ob Türen offen oder geschlossen bleiben, daran entscheidet sich Erhebliches. Arglos offen bleibt die zum Haus der Familie José Ramiro, und gänzlich ungehindert dringen darum die Häscher ein, die den Sohn des Rebellen in den Tod schicken werden. Oppositionelle Regungen, dies erfährt man bereits auf der allerersten Seite von José Lezama Limas grossem Roman «Inferno. Oppiano Licario», wurden im Kuba der 1930er Jahre auf das Schärfste verfolgt. Grundlegend anders verhalten sich die Dinge aber auch 30, 40 Jahre später nicht, als der Autor diesen und den ihm chronologisch vorangehenden Roman «Paradiso» verfasste: Werke, die ihn zu einem der meistgefeierten wie -umstrittenen Autoren Lateinamerikas machen sollten.

Unter autoritären Regimen gilt es sich bedeckt zu halten. Der 1910 geborene José Lezama Lima stand im politischen Kuba nie an vorderster Front, sondern versah still und unauffällig seinen Dienst in der öffentlichen Verwaltung, nach der Revolution als Leiter der Literaturabteilung des Nationalen Kulturrats, schliesslich als Vizepräsident des kubanischen Schriftstellerverbands. Den Abstand zum System, dem er diente, drückte er verhalten aus. So etwa, als er 1971 seine Teilnahme an einem öffentlichen Verfahren gegen seinen Freund, den Lyriker und Regimekritiker Umberto Padilla, unterlief, indem er sich schlicht krank meldete.

Man sollte sich also bedeckt halten. Die Tür, die in der Eingangsszene zu «Inferno» so arglos offen steht, mochte Lezama Lima selbst lieber geschlossen halten, ihre hütende Funktion zumindest nicht gänzlich vergessen - nicht zuletzt darum, weil sie nicht nur ins Haus einer unschuldigen Familie, sondern auch und vor allem ins eigene Werk führt. «Scharnier zwischen dem offenen und dem geschlossenen Raum, erlangt die Tür eine mühelose Beseeltheit, sie legt sich eine Sprache für den Tag und eine für die Nacht zu und bewirkt, dass Zuschauer oder Besucher ihre Zeichen richtig deuten und ihren Absichten gehorchen oder sich durch törichtes Klopfen widerspenstig zeigen, dem Fuchs gleich, der mit dem Hufeisen den Scheitel des Kreuzwegs tritt, neben ihm der tote Reiter im Gras. In diesem Haus galt es, auf die Sprache zu achten.»

Lektüre als Glaubensakt
Widerspenstige und törichte Besucher können auf Eintritt in Lezama Limas gewaltigen Sprachbau kaum hoffen; auf jeden Fall werden sie es dort nicht allzu lange aushalten. Eloísa Lezama Lima, die Schwester des Autors, hat in ihrem ausgiebigen Kommentar zur spanischen Ausgabe des Romans die Lektüre der beiden Bände als «Akt der Kommunion» bezeichnet, den jeder Text der «Religion Lezama Lima» verlange. Das klingt arg anmassend; und doch trifft es die Sache. Nicht, weil das Erzählwerk aufgrund seines Umfangs - zusammen kommen die beiden Romane auf gut 1000 Seiten - Ergebenheit erforderte. Sondern, weil die beiden Texte sich dem Unendlichen stilistisch nähern. Denn Lezama Lima liess sich ungeheure Zeit mit dem Erzählen.

So taucht Oppiano Licario, der Protagonist von «Inferno», erst im vierten Kapitel des Romans auf - keineswegs aber, um fortan die Szene zu beherrschen, sondern um sie über weite Strecken grosszügig anderen Figuren zu überlassen. Eingeführt wurde er bereits in «Paradiso», wo er sich selbst folgendermassen vorstellte: «Ich studierte in Harvard Numismatik und die Kunst von Ninive.» Entlegene Studiengänge. Doch eben darum empfehlen sie ihn als Lehrer des jungen José Cemí, jenes hypersensiblen jungen Mannes, hinter dem man unschwer - Asthmaleiden und früher Tod des Vaters sind die offensichtlichsten Parallelen - Lezama Lima selbst erkennen kann. In «Inferno» aber holt der Schüler den Lehrer ein, oder besser: Er wird eins mit ihm. Denn hier ist Oppiano Licario das Alter Ego des Autors. Der hatte seinem Protagonisten im Übrigen einen diskret sprechenden Namen verpasst: Seinen Vornamen, so Lezama Lima, verdanke er einem dem Stoizismus zugetanen römischen Senator namens Oppianus Claudius, den Nachnamen hingegen dem grossen Flügelschwinger der Antike, Ikarus.

«Melodie» statt Handlung
Selbst im Inferno geht es demnach hoch hinauf. Und doch gewährt diese Vogelschau einen ebenso unklaren Blick über die Handlung wie zuvor schon in «Paradiso». Erzählt wurde dort die Geschichte José Cemís und seiner Familie sowie die seiner beiden Freunde Fronesis und Foción. Doch was heisst schon Geschichte? Kindheit, Schule, Universität bilden die wichtigsten Etappen, doch sie gehen unter in Lezama Limas mäanderndem Stil, einem Stil, der jede im traditionellen Sinn geordnete Erzählweise konsequent unterläuft. Kern der Handlung von «Inferno», wenn man von einer solchen denn reden kann, ist Licarios Lehraufenthalt an der Sorbonne in Paris - nachträglich erzählt, da er mittlerweile verstorben ist -, seine Freundschaft zu zwei Arabern sowie die Vereinigung Cemís mit Licarios Tochter Inaca, aus der ein Sohn hervorgeht.

Doch was zählt schon der Plot gegen den eigentlichen Zauber dieses Buches, den Stil? Oppiano Licario hat nicht nur in Harvard, sondern auch an grossen europäischen Universitäten studiert; von dort, heisst es, hatte er nicht nur enorme Fachkenntnisse, «sondern eine geheime Denkweise, ein plein air mitgebracht, etwas, das irgendwann glücklich zutage trat. Es war nicht nur, dass er Kultur besass, vielmehr spürte man in seiner Umgebung, dass alles, woran er sich erinnerte, Teil einer Melodie war, die den Menschen mit seinen geheimen Verhältnissen umwob.» Eben diese Melodie durchzieht auch beide Bände des Werks; und so anmutig sie klingt, so sehr fordert sie doch unbedingte Konzentration.

Lezama Limas Schwester Eloísa deutete es an, als sie für dessen Werk einen im Wortsinn devoten, also ergebenen Leser forderte, einen, der viel Zeit und Geduld mitbringe. Aus gutem Grund: «Paradiso» und «Inferno» liest man nicht mal eben so. Eine flüchtige Lektüre wäre nicht nur unangemessen - sie ist ganz und gar unmöglich. Lezama Lima pflegt einen digressiven, kaum einzugrenzenden Stil. Ein Kapitel schildert Cemís Besuch in einer kleinen Ein-Mann-Werkstatt namens «Metaphernfabrik und Bilderhospiz». Nichts Geringeres strebt deren Betreiber an als die Erneuerung der poetischen Sprache. Seitdem diese, vertraut er Cemí an, ihre alte Verbindung zur Transzendenz verloren habe, sei sie zu «Geschmier für den Tag» geworden und müsse, wolle sie sich aus diesem lamentablen Zustand erheben, einen neuen Aufschwung nehmen. «Die Poesie», so der einsame Sprachschöpfer, «muss zur grossen Schwierigkeit geführt werden, zum grossen Sieg, damit sie die Macht des Dunkels zerteile und so im Menschen das Zwielicht besiege.»

Der Stil ist alles
Könnte es aber nicht sein, dass den grössten Schatten die Dinge der Welt selber werfen? Jedenfalls muss Licht her, und Lezama Lima schöpft es aus der Poesie. Darüber wird sie ihm zur Religion - wiederholt hat er diese Verbindung in seinen Essays angesprochen. Überwindung der Welt, Befreiung aus den irdischen Verstrickungen: Dieser Grundanspruch aller Religionen, so darf man wohl behaupten, findet seine Entsprechung nirgendwo anders als in Lezama Limas Stil. Dieser Stil, in radikaler Fortsetzung, vielleicht gar Überbietung aller ästhetischen Programme des 20. Jahrhunderts, meidet Bodenhaftung, wo immer er kann. Er will die Dinge nicht plump in Sprache fassen und «Botschaft» überbringen - er hat keinen anderen Zweck als sich selbst. Flauberts Traum vom «livre sur rien» mag hier durchscheinen, der Wunsch, Sprache möge endlich einmal von anderem sprechen als von der wie immer auch gearteten, immer jedenfalls beschränkten Weltsicht ihrer Nutzer.

Oppiano Licario, heisst es, «war schlaflos von Geburt, er schloss kein Auge, jede Nacht war vier Nächte und sechs Zigarren». Eine wunderbare Reverenz an die tropische Heimat, dies auch; vor allem aber Hingabe ans Dunkle, ans Vage und Ungefähre, in dem - irgendwann und ganz vielleicht - das Licht der Freiheit aufblitzt. Bis es so weit ist allerdings, bedarf es langer Nachtwachen, sprich, vieler geduldig gelesener Seiten. Es nützt nichts, ein, zwei Seiten zu lesen, um einen Eindruck von diesem bis ins Äusserste verdichteten Stil zu gewinnen, dafür schwingt er in viel zu breiten Rhythmen - Rhythmen, die in Weiten führen, zu denen nur ganz grosse Kunst die Türen zu öffnen vermag.

Kersten Knipp

José Lezama Lima: Inferno. Oppiano Licario. Aus dem kubanischen Spanisch übersetzt, herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Klaus Laabs. Ammann-Verlag, Zürich 2004. 410 S., Fr. 54.90.

http://www.nzz.ch/2005/02/08/fe/articleCJ12X.html

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